Zweite Woche: Wetter zuerst gut, zunehmend unter Tiefdruckeinfluss – Stimmung zuerst schlecht, zunehmend unter Hochdruckeinfluss

Bild Geschrieben am 25.06.2017 von Christian Janßen
Team: 150 Jahre Bethel - Bodel, schwingh dich auf´s Rad!
Kommune: Bielefeld

I don´t like monday – in dieser Woche ein passender Song: In Bethel wurde mir die Vorfahrt genommen (Fahrerin entschuldigte sich nach Ansprache), 300 m weiter nimmt ein Jeep der vor mir Fahrenden die Chance zum Reagieren, als er vom Parkstreifen über die komplette Fahrbahn hinweg wendet und – natürlich nicht auf den Radverkehr achtet. Anschließend schönes Gespräch über die Autofahrer im Allgemeinen und diesen im Besonderen. Weitere 500 m auf der Alfred-Bozi Straße (geöffneter Radweg für den Linksverkehr): Ein Handwerker wendet auf dem Rad-Fußweg und fährt anschließend beide Wege blockierend auf mich zu und stoppt erst im letzten Moment. Ich seh´ ihn lächeln, und denke, „Schön, dass ICH auch Autofahrer glücklich machen kann …“. Die hinter ihm kommenden Radfahrer schütteln mit mir den Kopf. Am Siegfriedsplatz zieht ein SUV vom Parken auf dem Gehweg direkt nach links auf den Platz. Ein Glück, dass ich sowieso in die Siegriedstraße abbiegen wollte.
So weit, so bekannt.

Aber:
Am Mittwoch lässt mir ein Autofahrer die Vorfahrt am Kreise an der Melanchthonstraße, ich revanchiere mich und warte bis ein Vater mit zwei Kindern die Straße überqueren kann. Am Donnerstag überlässt mir ein weiterer Autofahrer die Vorfahrt an der Rolandstraße. Beide im Kontakt mit mir und freundlichem Winken und Bedanken. Am Freitag weise ich einem bei Rot fahrenden Radfahrer auf den enormen Vorsprung von 300 m hin, den er vor mir auf das Grün Wartenden herausgefahren hat, bevor ich ihn eingeholt habe. Ein nachdenkliches Gesicht lasse ich zurück.

Obwohl ich auch weiter zwei gefährliche Situationen erlebe, bin ich von den guten Begegnungen dieser Woche geprägt. Dazu gehören auch Rückmeldungen aus meinem Team, meiner Geschäftsführung oder in der Kneipe. Ich werde also meine Bewertung von letzter Woche ändern: Radfahrer kann auch auf zufriedenstellenden Kontakt mit Autofahrern hoffen. Nicht DIE Männer hupen, drängeln und fahren dann mit aufheulendem Motor davon, sondern einzelne.
Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es zurück: Sind DIE freundlich, bin ich es auch – bin ich freundlich, sind DIE es auch.
Eine Binsenweisheit, aber mir fällt dazu das Motto einer Plakataktion des ersten Fahrradbeauftragten Bielefelds ein „Zusammen geht mehr“ – oder so ähnlich. Wie können wir in Bielefeld dafür sorgen, dass sich die konkurrierenden Verkehrsteilnehmenden mit weniger Aggressivität und gegenseitiger Rücksichtslosigkeit begegnen? Nicht mehr Rad gegen Fuß und Auto gegen beide?

Am Sonnabend und Sonntag dann Fahrten zwischen Schauern – Ich WERDE nicht naß! Sag´ ich ja …
Das Radfest hat gute, interessante Gespräch bei Sonne und warmen Schauern parat - und die Besichtigung der Tempo 30-Regelung auf der Stapenhorststraße. Zum zweiten Mal wird auf dieser Hauptverkehrsstraße nach einem Unfall die Geschwindigkeit reduziert. 1987 war es das erste Tempo 30 auf einer Hauptverkehrsstraße in Deutschland. Damals war die Straße eine Schlucht mit vier schmalen Spuren, hoher Geschwindigkeit und einer Höchstgefahr für Radfahrende auch wegen der Unübersichtlichkeit. Heute sind die Sicherheitsvorgaben für solche Straßen strenger, die Radfahrstreifen würden nicht mehr zugelassen. Die Gefährdung ist nicht gebannt, wie ich auch täglich erleben darf, wenn stadteinwärts vor der Kurfürstenstraße die SUV, Lieferwagen und Lkw wegen der Linksabbieger auf den Radfahrstreifen ausweichen oder wenn Pkw nicht ordnungsgemäß parken und mit öffnenden Türen meine Unversehrtheit bedrohen.

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