Erste Woche - Wetter gut, Stimmung gemischt

Geschrieben am 16.06.2017 von Christian Janßen
Team: 150 Jahre Bethel - Bodel, schwingh dich auf´s Rad!
Kommune: Bielefeld

Die erste Woche ist fast rum, das Wochenende bin ich zuhause in Ostfriesland. Spannend: Das Eintragen meiner gefahrenen Kilometer fördert meine Bereitschaft, zusätzlich am Abend zu einem Termin erneut mit dem Rad statt mit der Bahn in die Stadt zu fahren. So bin ich mit dem Rad mehr unterwegs gewesen, als in einer normalen Arbeitswoche.
Das Wetter war ja auch gut in dieser Woche.

Allerdings gehen meine gemischten Gefühle mit dem „Bielefelder Autofahrer“ auch als Stadtradelstar unverändert weiter:
Am Montag auf der Stapenhorststraße – zweiter Tag. Ein Fahrer nimmt mir an der Bismarckstraße die Vorfahrt, als ich auf dem Radfahrstreifen zur Arbeit fahre und er zwar auf den Autoverkehr, aber nicht auf mich achtet. Er bleibt dann auch noch auf dem Radfahrstreifen im Stau stehen. Ich kann gerade noch ausweichen, ebenso wie einen Tag später. Auf der gleichen Straße biegt ein Pkw stadtauswärts fahrend links in die Ellersstraße. Beide Vorfälle werden dadurch ausgelöst, dass Autofahrer – wie es meine jahrelange Erfahrung ist – in Bielefeld nicht gleichzeitig Radfahrer sind. Sie achten auf die anderen Autofahrer und nicht auf die weiteren, schwächeren VerkehrsteilnehmerInnen. Diese müssen sich dann notgedrungen vorsehen und gegebenenfalls in Sicherheit bringen. Hier hatte ich am Dienstag mehr Glück als Verstand, da ich den Linksabbieger nicht sah und dieser im letzten Moment selbst abbremste.
In Emden, Ostfriesland ist es dagegen eher wie in Holland: alle Autofahrer sind gleichzeitig Radfahrende - die wissen wie man als Radfahrer denkt und sich bewegt.

Und schließlich zwei letzte Erlebnisse am Donnerstagfeiertag vom Schröttinghauser Freibad kommend. Zunächst will mich ein Mercedesfahrer von der Straße Am Hollensiek auf den Fußweg „motivieren“, in dem er mit dem Außenspiegel meinen Lenker nur um etwa 10 cm verfehlt. Auch für einen Sicherheitsabstand von 1,50 m wäre Platz gewesen, deshalb gehe ich von Absicht aus. Ich nehme solch ein Verhalten als die in Bielefeld verbreitete Überheblichkeit oder als Selbstjustiz insbesondere von AutoFAHRERN, die mir als Radfahrer deutlich machen wollen, wo mein Platz ist und wie ich mich ihrer Meinung nach zu verhalten habe.
Das gleiche etwa 1,5 km weiter stadteinwärts auf der Babenhauser Straße, als ein Pkw nach links zum Erdbeerstand abbiegen will und ich mich auf das Ende der entgegenkommenden Schlange wartend vor ihn geselle. Ich höre schon die die beifahrende Ehefrau des dann nachfolgenden Pkw schimpfen, als ich an den beiden langsam vorbeifahre. Und ihr Ehemann sieht sich bemüßigt, mir mit laut andauernden Hupen beim schneidigen Vorbeifahren noch seine Meinung mitzuteilen.

Es sind v.a. Männer, die ich solche gefährdenden Szenen provozieren sehe – aus meiner Sicht mindestens versuchte Körperverletzung. Frauen übersehen mich auch schon einmal, sind aber schnell mit mir im Gespräch, um sich zu entschuldigen. Dann fällt es mir leicht, auf die gefährliche Situation hinzuweisen – und trotzdem zu sagen „War nicht so schlimm, ich sitze ja noch auf dem Rad“. Männer sehe ich weiterfahren ohne Einsicht, ohne eine Entschuldigung, ohne Nachfrage und – ohne die Möglichkeit des Gesprächs. Das macht mich dann auch wütend. So steigt der Aggressionspegel.

So ist die erste Woche bei gutem Wetter doch mit gemischten Gefühlen abgechlossen.

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