Long Vehicle - oder: warum man niemals etwas wegwerfen sollte.

Bild Geschrieben am 30.07.2020 von Daniel Kietz
Team: RADhaus
Kommune: Riegel am Kaiserstuhl im Landkreis Emmendingen

Sodele - nun ist es also geschafft. Nachdem sich auch die letzten übersäuerten Muskeln nach Ende des Stadtradelns im Landkreis Emmendingen wieder regeneriert haben, wird es Zeit, im letzten Blog ein Fazit zu ziehen.

Bevor es aber soweit ist, muss ich noch eine Unterstellung entkräften, die mir in den drei Wochen des öfteren begegnet ist: "auf's Auto zu verzichten ist ja einfach, wenn man eine Familie hat, die alles notwendige damit besorgen kann".
Irgendwie stimmt das tatsächlich, beispielsweise der Familienwochengroßeinkauf.
Da ich im Gegensatz zu den Riegeler Radlern bisher nicht mit Kilometern punkten kann und um mir nicht nachsagen lassen zu müssen, dass der Stadtradeln-Erfolg nur ein halber ist, nutze ich den letzten Tag, um mich vom Vorwurf des Transportdelegierens zu befreien.

Ich werde also Einkaufen gehen. Nachdem ich das meiner Familie stolz verkündet habe und nach dem Einkaufszettel verlange, bricht auf einmal emsiges Treiben aus und jedem fällt noch etwas ein, was auf den Zettel muss. "Nimm auch noch bitte die drei Kisten Leergut mit und vergiss nicht, dass die Butter in eine Kühlbox muss" - das wird auf dem Gepäckträger ja wohl keinen Platz haben?!
Da bisher der Blick in die hintersten Winkel der Garage schon mehrfach geholfen hat, fördert er auch diesmal eine Lösung zutage: den alten Kinderanhänger.
Ein 24 Jahre alter Leggero Kombi aus schweizer Präzisionsfertigung mit rosa Seitenwänden und einer mehrfach geflicketen Deichsel.
Dafür hat er eine feste bierkastentaugliche Aluwanne. Ob der noch den neuesten Sicherheitsstandards entspricht ist fraglich, aber es werden ja auch keine Kinder transportiert.

Nachdem ich noch aufgrund des hohen Leergutturms ein Brett als Ladungssicherung installiert habe, geht es dann vorsichtig Richtung Einkaufszentrum. Begleitet werde ich von meiner Tochter, die als unsere Einkaufsexpertin weiß, wo man die Sachen im Laden findet. Dadurch gewinnen wir die Zeit, die wir brauchen werden, um alles zu verstauen.

Obwohl wir ganz schön viel eingekauft haben, lässt sich alles ziemlich problemlos einräumen. Nicht einmal die vorsorglich mitgenommenen Radtaschen werden benötigt und lediglich die Überschreitung des zulässigen Gesamtgewichtes würde wahrscheinlich bei einer Polizeikontrolle dazu führen, dass das Gespann aus dem Verkehr gezogen würde.

Das Ende vom Lied: der Bericht kann hier so unspektakulär enden wie es die ganze Einkaufsaktion war. Es hat Spaß gemacht und man sieht mal, wie viel mit dem Rad tatsächlich geht.

Somit kommen wir nun zum finalen Fazit, das einem als Stadtradeln-Star quasi mit den Teilnahmeregeln ja auferlegt wird (zumindest wenn man die tolle Radtasche bekommen möchte).

Fazit 1:
Es hat unglaublich Spaß gemacht, vor allem auch deshalb, da die RadlerInnen, die für meine Gemeinde gefahren sind, im Landkreis in allen Kategorien den ersten Platz belegt haben.

Fazit 2:
Anzüge sind definitiv nicht fahrradtauglich. Dies ließe sich aber ändern, wenn es einen findigen Modedesigner gäbe, der einen Anzug erfindet, der
a) eine integrierte Dusche hat
b) über eine Antihaftbeschichtung für Staub verfügt
c) Sitzpolster anstatt Schulterpolster hat.
Zum letzten Punkt sei erwähnt, das es durchaus eine segensreiche Erfindung ist, dass Damen- und Herrensättel bisher noch nicht gegendert worden sind, denn der Damensattel war der einzige Nachteil beim Ebike meiner Frau.

Fazit 3:
Mit einer guten Sekretärin sind Bürgermeisterkalender und Radeln meistens gut vereinbar.
Auszuschließen sind allerdings Termine, die die unter Fazit 2 genannte Kleiderordnung vorsehen.

Fazit 4:
Auch der ÖPNV ist besser als sein Ruf. Deshalb stelle ich meinen BürgerInnen ab August eine Regio-Jahreskarte zur Verfügung, die auf dem Bürgerbüro kostenlos ausgeliehen werden kann.

Fazit 5:
Nächstes Jahr unbedingt wieder.

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