WindRad - oder gegen den Strom

Geschrieben am 17.07.2020 von Daniel Kietz
Team: RADhaus
Kommune: Riegel am Kaiserstuhl im Landkreis Emmendingen

zunächst ein kleiner Nachtrag. Ich hatte im letzten Blog gefragt, warum der Texaspass Texaspass heißt. Ein aufmerksamer Mitbürger (das liest also tatsächlich jemand) hat mir die Auflösung geschickt, die ich der bergradelnden Welt nicht vorenthalten möchte.

Et Voila:
Als Texas-Pass bezeichnet man eine Passhöhe am Kaiserstuhl, zwischen den Winzerdörfern Oberbergen und Kiechlinsbergen gelegen. Dieser Übergang heißt normalerweise "Auf dem Eck". Durch die Rothaus Regio-Tour, deren Schlussetappe immer über diese Passhöhe führt, erhielt die dortige Strecke aufgrund der einem schwingenden Lasso ähnelnden Serpentinen den Spitznamen Texas-Pass. Fotografen finden hier tolle Motive, denn der Blick in den Kaiserstuhl ist hier einfach toll.
Das hätten wir also geklärt.

Was war diese Woche los?
Montag Termin in Denzlingen. Pressefoto mit den Stadtradeln-Stars des Landkreises Emmendingen - man muss ja im Gespräch bleiben.
Mit dem Zug wäre man in 9 Minuten da. Aber ich glaube, das ist ein Fahrradpflichttermin. Wird zwar etwas knapp mit dem Termin vorher, aber das EBike meiner Frau hat letzte Woche Blut geleckt und schaut mich schon die ganze Woche mitleidsvoll an. Also wäre das abgemacht.
Start mit vollem Akku und einer prognostizierten Reichweite von 93km - wenn das mal nicht reicht. Von Riegel geht's los auf dem nördlichen Uferdamm der Elz gegen den Strom. Dieser Abschnitt der Elz wurde in den letzten Jahren renaturiert und ich bin das erste mal im Sommer hier: viele badende Kinder, kleine versteckte Buchten, strahlender Sonnenschein, gemütliche 27°C - fast ein kleines Stück Wildnis.
Der Rest der Natur findet das auch schön und beglückt mich mit moderatem Rückenwind - somit bin ich heute auf einem WindRad unterwegs.

Normalerweise bin ich eher der Murphy-Typ (also Regen, Gegenwind, kalte Füße) und so ist es eine doppelte Freude in dieser schönen Natur so entlang zu radeln.
Da stellt sich natürlich gleich die nächste Frage: ist das Radfahren zu Terminen jetzt Arbeitszeit oder hätte ich da ausstempeln müssen? Ich werde mal meinen Chef fragen.

Das Rad ist ja relativ neu, aber es scheint schon einen Defekt zu haben: die Reichweite steigt beständig an: 120km in Köndringen, 160km in Emmendingen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit bis dahin: 28km/h. Und das obwohl es bergauf geht. Naja, nur leicht, da es gegen den Strom geht, aber immerhin. Ich dachte, ich fahre mit Strom, aber der Akku ist auch am Ziel in Denzlingen immer noch voll?!
Des Rätsels Lösung offenbart sich beim Studium der Betriebsanleitung (wenn man in dem 120-Seiter unter den vielen Sprachen die richtige Stelle gefunden hat): ab 26km/h entfällt die Antriebsunterstützung - also dann ist das EBike ja nix für vornübergebeugte Schnellradler.

Es ist schön, mal die anderen Wagemutigen zu treffen. Ich hebe mich deutlich von den anderen ab: mit großem Abstand die wenigsten Kilometer auf dem Konto :-(
Aber ich habe ja noch fast zwei Wochen und die Woche hat ja auch noch Samstage und Sonntage und der Tag hat 24h.

Die Heimfahrt treten wir zu zweit an - man lernt beim Radfahren halt einfach nette Leute kennen.
Eine weitere Erkenntnis: mit dem Rad wird es fast zur Sucht, neue Wege zu erkunden.
Und so geht es durch den Wassemer und den Teniger Wald wieder an die Elz und diesmal stromabwärts am südlichen Ufer gen Riegel.
Der Akku (der mit dem Strom) ist tatsächlich immer noch voll, aber der in den Beinen nicht mehr so ganz. Das Ziel ist deshalb schnell festgelegt: Tankstelle. Davon haben wir in Riegel einige: 6 Biergärten laden mit kulinarischen Köstlichkeiten und gemütlichem Flair unter schattenspendenden Bäumen zum Auffüllen des körpereigenen Akkus ein.

Fazit des Tages: schön wars und der Wind kann auch Dein Freund sein.

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