STADTRADELN-Star Blog: Rheinberg im Kreis Wesel


Stadtradeln 2018 – Mein Fazit

Bild Geschrieben am 04.07.2018 von Kai Oczko
Team: Das TEAM
Kommune: Rheinberg im Kreis Wesel

Seit rund acht Wochen bestreite ich meinen Reisealltag mit dem Fahrrad. Drei Wochen davon im Rahmen des Stadtradelns. In diesen drei Wochen bin ich genau 1.600 Kilometer mit dem Fahrrad gefahren. Bei allen Aktivitäten war das Fahrrad mein treuer Begleiter.

Der Großteil der Kilometer ist natürlich durch das Reisen zwischen den Städten, immer näher an mein Ziel zustande gekommen. Aber auch Städtebesichtugungen, Strandbesuche und Einkäufe wurden auf dem Rad erledigt. Ich kann behaupten, dass ich das Fahrrad für viele verschiedene Alltagssituationen eingesetzt habe.

Für jede dieser Situationen war das Fahrrad für mich das perfekte Verkehrsmittel. Denn es bot mir viele Vorteile gegenüber den herkömmlichen Verkehrsmitteln für eine Reise. Das Reisen per Rad eröffnet einen komplett neuen Blickwinkel auf die Landschaft und die Länder, die man bereist. Man kommt an Orte, die man mit dem Auto oder dem Zug niemals entdecken würde. Auch Städtebesichtugungen sind ein tolles Erlebnis. Man kommt schnell durch die Stadt, vorbei an Staus und dem vielen Verkehr, und kann sein Rad direkt dort abstellen, wo man hin möchte. Das Einkaufen benötigt logistisches Geschick, da der Platz für Einkäufe am Rad sehr begrenzt ist. Doch mit etwas Übung stellt das auch kein Problem dar.

Das Stadtradeln endet, meine Reise allerdings noch nicht. Ich befinde noch zur Zeit in Albanien und habe noch einen langen Weg, bis ich wieder in Deutschland bin. Ich möchte an dieser Stelle jede*n dazu ermutigen, eine Reise mit dem Fahrrad auszuprobieren. Es muss keine lange Reise sein, so wie meine. Aber ein Wochenendtrip ist auch schon ein tolles Erlebnis.

Dies ist der letzte Beitrag von Kai auf dem Stadtradelblog. Wer wissen möchte, wie es ihm und seinem Vater auf ihrer weiteren Reise durch Südeuropa und zurück nach Deutschland ergeht, wird auf dem Reiseblog "Mit dem Fahrrad durch Europa" http://www.kaioczko.de/ fündig.

Das Koordinationsteam Stadtradeln in Rheinberg bedankt sich bei Kai und Georg für die inspirierenden Einblicke in diese außergewöhnliche Reise. Ihr seid tolle Stadtradler und wir wünschen Euch viel Rückenwind und wenig Pannen!

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Herbst in Griechenland

Bild Geschrieben am 03.07.2018 von Kai Oczko
Team: Das TEAM
Kommune: Rheinberg im Kreis Wesel

Thessaloniki haben wir zwischenzeitlich wieder hinter uns gelassen. Wir haben die Tage in der Stadt genutzt, um ein wenig abzuschalten und die schlechten Erfahrungen aus Griechenland zu verdauen. In Thessaloniki haben wir einen angenehmen Aufenthalt gehabt und viele nette Leute, fast alle Radreisende, kennengelernt. Doch auch diese Tage gehen zu Ende und der übliche Radfahreralltag tritt wieder ein. Morgens früh aufstehen, auf den Sattel schwingen und mit wenigen Unterbrechungen radeln, bis die Sonne untergeht.

Noch in Thessaloniki treffen wir die Entscheidung, das Griechenland, das wir kennengelernt haben, bald wieder zu verlassen. Stattdessen machen wir uns auf direktem Weg auf nach Albanien. Der einzig sinnvolle Weg nach Albanien führt jedoch durch den bergigen griechischen Norden. Immerhin bietet die Route einige interessante Anfahrtspunkte, die die Bergtour erträglicher machen sollen. Auf uns wartet das Tal des Tempi, die Stadt Larisa und die Klöster von Meteora. Wir machen uns also auf den Weg.

Leider wird uns die sowieso schon sehr anspruchsvolle Bergetappe durch anhaltenden starken Regen und Temperaturen teils weit unter 15 Grad Celsius noch weiter erschwert. Bereits auf dem Weg aus Thessaloniki heraus werden wir klatschnass. Auch die Etappe durch das Tal des Tempi ist vor allem von Regen geprägt. Einen kurze Zeitspanne zwischen den Schauern nutzen wir, um uns die Kirche des Agia Paraskevi inmitten des Tals anzusehen. Eine kleine orthodoxe Kirche, die in den Berg gebaut wurde. Eine heilige Quelle hat sie auch. Das Wasser daraus beflügelt uns für den Rest des Tages.

Für die Klöster von Meterora nehmen wir uns dann einen ganzen Tag Zeit. Natürlich ein kalter Tag im Regen, wie so viele Tage hier in Griechenland. Aber auch bei Regen ist Meteora eindrucksvoll. Die Klöster, die hoch auf den Gipfeln der wie große Säulen wirkenden Felsen erbaut wurden, lassen uns aus vielen verschiedenen Blickwinkeln immer wieder staunen. Zwischendurch bleibt dann der Regen auch kurz fern.

Zwischen Meteora und der griechischen Stad Ioannina wartet eine weitere anspruchsvolle Bergetappe auf uns. Doch im Hinblick auf das andauernde schlechte Wetter entscheiden wir uns dazu, diese Strecke mit dem Bus zu überbrücken. Im Nachhinein eine sehr gute Entscheidung. Während der Busfahrt schauen wir den Regentropfen aus dem trockenen Bus beim Herabfallenden zu. Doch auch an diesem Tag werden wir noch pitschenass. Nach unserer Ankunft in Ioannina besuchen wir die Höhlen von Perama, eine Höhle mit endlos vielen Stalagmiten und Stalaktiten. Doch nach dem Besuch der Höhle begrüßt uns unser alter Freund, der Regen, wieder.

Am 28.06. ist es dann endlich so weit. Wir verlassen Griechenland. Das Griechenland, das wir gesehen haben, hat uns absolut enttäuscht. Die wilden Hunde, das schlechte Wetter, die häufig unfreundlichen Einheimischen. Diese Eindrücke sind einfach an uns hängen geblieben uns konnten sich nicht mehr ins gute umkehren. Umso mehr freuen wir uns, als wir die Grenze nach Albanien passieren und von der strahlenden Sonne begrüßt werden. Ob ihr es glaubt, oder nicht.

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Hallo Hellas

Bild Geschrieben am 27.06.2018 von Kai Oczko
Team: Das TEAM
Kommune: Rheinberg im Kreis Wesel

Die Überschrift lässt es bereits vermuten. Und auch wer in den letzten Tagen unsere Position auf der Karte betrachtet hat, weiß es auch schon. Wir haben unser Zwischenziel erreicht. Am 20. Juni haben wir die Grenze von Mazedonien nach Griechenland überquert. Endlich benutzen wir wieder vertrautes Geld und können unsere mobilen Daten am Handy einschalten, ohne Angst vor einer riesigen Handyrechnung zu haben.
Leider waren die ersten Erfahrungen in Griechenland ein ganz schöner Dämpfer. An der Grenze empfängt uns ein unfreundlicher Grenzpolizist. Er nimmt unseren Ausweis, scannt ihn ein, uns gibt ihn uns ohne eine Mine zu verziehen wieder. Kein freundlicher Gruß, kein auf Wiedersehen. Hm.

Im ersten Ort nach der Grenze verfolgen uns wilde Hunde. Entgegen aller Erwartungen sind die Hunde in Griechenland um einiges schlimmer, als in Serbien oder Mazedonien. Sie lassen gar nicht von uns ab, bellen wie verrückt und kommen gefühlt aus jeder Ecke. Immerhin sind die Straßen ein wenig besser als zuvor. Und die Autofahrer fahren ein wenig rücksichtsvoller an uns vorbei. Wir erleben LKW-Fahrer, die tatsächlich Bremsen, statt uns zu überholen, wenn Gegenverkehr kommt.

Nach den ersten Stunden auf griechischem Boden kommt noch nicht so wirklich Freude auf, dass wir angekommen sind. Nach den vielen tollen Erfahrungen in den für uns Mitteleuropäern fremden Ländern Serbien und Mazedonien wirkt Griechenland schon fast langweilig. Der teure Kaffee in einem leblosen kleinen Kaff, serviert von unfreundlichem Personal gibt uns dann den Rest. Wir sehnen uns zurück nach den lebhaften Balkanländern. Am liebsten würden wir sofort wieder umkehren.

Doch nachdem wir den Vegoritida-See erreichen und schier endlose Plantagen von Obstbäumen entdecken, ist das alles wieder vergessen. Wir fahren vorbei an Bäumen voller Kirschen, Aprikosen und Äpfeln. An jedem Baum bleiben wir stehen und pflücken uns köstliche Früchte. Und an jedem Baum schmecken sie ein wenig anders. Reife Früchte direkt vom Baum, das kennt man aus Deutschland einfach nicht. Wir essen hier die besten Kirschen und Aprikosen unseres Lebens. Durch die ständigen Pausen an den Obstbäumen verzögert sich unsere Ankunft in Edessa leider immer weiter. Aber das ist es wert. Als wir Edessa erreichen, haben wir bestimmt schon 2 kg Kirschen gegessen.

Auch am nächsten Tag, an dem wir weiter nach Thessaloniki fahren, finden wir wieder reichlich frisches Obst. Hier wachsen meist Nektarinen und Pfirsiche. Reif und frisch vom Baum sind es auch hier wieder die besten Früchte, die wir jemals gegessen haben.

Rund 25 Kilometer vor Thessaloniki folgt dann der nächste Dämpfer. Georg fährt, mit den Gedanken bereits am Ziel, mit dem Hinterrad durch ein tiefes Schlagloch in der sonst ganz guten Straße. Auf einen wutentbrannten Schrei folgt ein plattes Hinterrad. Glücklicherweise ist bereits nach wenigen Metern eine Einmündung in einen Feldweg, in den wir die Fahrräder abstellen können.

Die gute Laune und der Flow, den wir bislang haben, ist dahin. Einen Ersatzschlauch haben wir, allerdings muss vor dem Wechsel zunächst das Gepäck ab vom Fahrrad. In der brütenden griechischen Sommerhitze stehen wir nun und bauen das Fahrrad so weit auseinander, dass wir den Platten flicken können. Ohne den angenehmen Fahrtwind quält uns die pralle Sonne. Der Schweiß tropft von unserer Stirn in die Augen und Raubt uns die Sicht. Unser Trinkwasser kocht in den Flaschen. Rund 45 Minuten vergehen, ehe das Rad wieder startbereit ist.

Nach der erfolgreichen Reparatur setzen wir die Fahrt in Richtung Thessaloniki fort. Die Fahrt durch das Land, das ursprünglich unser Ziel war. Das Land, das uns bislang am wenigsten gefällt.

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Mazedonische Highlands

Bild Geschrieben am 25.06.2018 von Kai Oczko
Team: Das TEAM
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Nach dem Trubel in der Hauptstadt Mazedoniens wollen wir nun die Natur erkunden. Wir machen uns auf Weg zum Ohridsee, einem der ältesten und tiefsten Seen in Europa. Skopje verlassen wir nach drei tollen Tagen genau so wie wir es erreicht haben: über die Autobahn. Glücklicherweise die meiste Zeit mit wenig Verkehr auf dem Standstreifen. Relativ entspannt fahren wir die ersten Stunden auf dem Weg zum Ohridsee, einem der ältesten und tiefsten Seen in Europa.
Hinter Gostivar beginnt dann unsere erste richtige Bergetappe. Auf 20 Kilometern klettern wir langsam, aber stetig in Richtung eines Gebirgspasses. Wir haben vorab gelesen, dass der Pass bei rund 1.100 Metern über dem Meeresspiegel liegen soll. Bei nicht zu heißem Wetter quälen wir uns mit unseren schweren Fahrrädern Meter für Meter voran. Als wir die 1.000 Meter knacken, fühlen wir uns plötzlich so stark, als könnten wir jeden Berg erklimmen. Das Gefühl lässt allerdings genau so schnell wieder nach, wie es über uns kam. Bei den versprochenen 1.100 Metern ist nun leider noch kein Ende in Sicht. Entkräftet klettern wir Meter für Meter weiter in den Mavrovo-Nationalpark im Westen des Landes, in der Hoffnung, bald oben zu sein.
Die höchste Stelle erreichen wir dann schließlich bei 1.300 Metern. Jetzt trennt uns noch der Mavrovo-See von dem gleichnamigen Örtchen, in dem wir heute Nacht nächtigen wollen. Nach rund 15 Kilometern und einer weitern harten Stunde mit Steigungen und Gefällen ist es so weit. Wir sind in Mavrovo und checken in einem Zimmer ein, das wir auf dem Weg von einem Mazedonier an der Tankstelle in Gostivar empfohlen bekommen haben. Und das Zimmer ist die Belohnung für die Strapazen. Wir haben einen wahnsinnig tollen Blick über den See, sowohl am Abend, als auch am nächsten Morgen.
Am Tag darauf haben wir allerdings eine entspannte Abfahrt bis nach Ohrid vor uns. Kurz nach dem Start am Mavrovo-See sehen wir einige Radfahrer, die sich den Berg hochquälen. Gestern wir, heute ihr! Von 1.300 Metern fallen wir nun mit einigen kurzen Unterbrechungen wieder ab auf rund 700 Meter. Ein Genuss nach dem harten Tag zuvor. Einige Kilometer lange, steile Abfahrten bereiten uns eine Menge Spaß. Wir erreichen Geschwindigkeiten von knapp 60 Kilometern pro Stunde. Das ist Nervenkitzel pur.
Am Abend des Tages erreichen wir dann die schöne Stadt Ohrid. Nach den zwei Tagen in den Bergen haben wir uns definitiv eine kurze Auszeit verdient. Wir bleiben zwei Nächte am schönen Ohridsee.

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Ziegelsteine aus Serbien

Bild Geschrieben am 18.06.2018 von Kai Oczko
Team: Das TEAM
Kommune: Rheinberg im Kreis Wesel

Der Morgen des 12. Juni beginnt für uns im Atina Lux, einem gemütlichen Hostel in der kleinen Stadt Leskovac. Bereits am frühen Vormittag klettern die Temperaturen auf über 25 Grad und die pralle Sonne sorgt dafür, dass wir nach dem Frühstück auf dem Balkon schon wieder nass geschwitzt sind.
Nach dem Frühstück schwingen wir uns träge in unsere Sättel. Unsere Räder tragen uns heraus durch Wolken stinkender Abgase heraus aus der Stadt in Richtung Landstraße. Die ersten Kilometer fallen uns heute enorm schwer. Die Reifen kleben am schon weich gewordenen Asphalt. Bei jeder Lenkbewegung ächzen und quietschen die Reifen auf der Fahrbahn.
Parallel zur viel befahrenen Landstraße verläuft eine kleinere, weniger benutzte Straße. Wir entscheiden uns dazu, dort weiter zu fahren, um zumindest die stickige Luft der Autos nicht mehr einatmen zu müssen.

Nach wenigen Kilometern auf dieser Straße sehen wir am linken Fahrbahnrand drei Bauten aus roten Ziegelsteinen. An einem dieser Bauwerke wird gearbeitet, es ist offensichtlich noch nicht fertiggestellt. Um die Gebäude herum stehen nahezu endlose Reihen von gestapelten Ziegelsteinen. Fleißige Arbeiter stapeln Ziegel in der sengenden Mittagshitze. Als sie uns sehen, winken und rufen sie uns zu. Wir sollen offensichtlich zu ihnen kommen. Uns erwartet ein warmer Empfang, sie bieten uns sofort kaltes Wasser an. Keiner von ihnen spricht deutsch oder englisch, lediglich einige verstehen und sprechen einige deutsche Wörter.
Bei näherer Betrachtung der Gebäude und der Männer stellen wir fest, dass es sich hierbei um eine Ziegelei handeln muss, in der fleißige Serben Ziegelsteine herstellen. Sie laden uns ein, ihre Anlage zu besichtigen. Durch Winken und Rufen der Arbeiter werden wir durch die gesamte Ziegelei gelotst.
Zuerst zeigen die braun gebrannten Arbeiter uns, wo die fertig geformten Ziegelsteine zum Trocknen aufgetürmt werden. Die roten Klötze werden noch feucht auf einem Karren zu dem Ort transportiert, an dem sie gestapelt werden. Sorgfältig türmen die Arbeiter die Steine auf und decken sie Stück für Stück mit einer Folie ab. Kein Ziegel gleicht dem anderen.
Als nächstes sehen wir die Anlage, die den braunen Schlamm zunächst auf ein Förderband abwirft und anschließend in die Presse transportiert. Heraus kommt ein brauner Block, der nun in gleichmäßige kleinere Blöcke geschnitten wird. Die zukünftigen Ziegelsteine werden automatisch von einem Band abtransportiert, wo die Arbeiter sie entgegennehmen und auf einem Transportwagen stapeln.
Zum Abschluss dürfen wir die roten Gebäude betreten, die wir von der Straße aus sehen konnten. Hier werden die Ziegelsteine gebrannt, nachdem die Sonne sie einige Tage vorgetrocknet hat. Die Ziegelsteine werden in einem Gewölbe gestapelt, eingemauert und anschließend befeuert. Bei ca. 1.000 Grad nehmen sie nun ihre finale Form an. Mithilfe von Kohleöfen werden diese Gewölbe befeuert.
Wir finden es faszinierend, mit wie viel manueller Arbeit dieser Baustoff in Serbien hergestellt wird. In einer hochautomatisierten Wirtschaft wie Deutschland ist das unvorstellbar. Die kurze Besichtigung der Ziegelei hat uns viel Spaß bereitet. Nachdem wir gesehen haben, wie hart die Jungs dort arbeiten, fällt uns das Radfahren sofort viel leichter, als noch zuvor. Wir schaffen an diesem Tag noch insgesamt 90 Kilometer.

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Serbische Gastfreundschaft

Bild Geschrieben am 13.06.2018 von Kai Oczko
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Kommune: Rheinberg im Kreis Wesel

Nach einigen eher ruhigen Sightseeing-Tagen in Belgrad, oder auch Beograd, der „weißen Stadt“, sitzen wir am 9. Juni wieder im Sattel. An diesem morgen verabschieden wir uns von Michael und Katharina, denn sie haben ein anderes Ziel als wir. Martin will noch einige Kilometer mit uns fahren, bevor er weiter der Donau zum schwarzen Meer folgt.

Vormittags verlassen wir Belgrad auf dem mehr oder weniger gut ausgeschildertem Radweg EuroVelo 6. Wir queren die Donau auf einer Autobrücke, die ihre besten Zeiten längst hinter sich hat und folgen dem Weg zunächst in Richtung Kovin. Die Beschaffenheit des Weges ist anfangs wieder ein Wechsel der Gefühle. Er führt uns über einen maroden Steg inmitten eines Feldes. Weiter geht es auf der ungemähten Deichkrone. Nach rund zehn Kilometern sind wir von der Fahrt schon so erschöpft, dass wir rasten. Ein Autofahrer hält bei uns und fragt interessiert, wohin wir mit unseren Rädern auf dem Weg sind. Er spricht gut deutsch und wir berichten ihm von unseren Plänen. Er empfiehlt uns auch einen anderen Weg nach Kovin, ab vom ruckelingen Radweg auf die Landstraße.

Und so folgen wir der Landstraße von Pancevo nach Kovin. Die Straße führt lange Zeit nur geradeaus. Der Verkehr ist mäßig, es lässt sich hier ganz gut fahren. In Kovin machen wir Rast, um uns zu stärken. Kräftiger Kaffee und süßes Gebäck vom Bäcker geben uns neue Kraft für die nächsten Kilometer. Leider macht das gute Wetter nun auch eine Pause und dunkle Wolken ziehen am Himmel auf. Auf gut Glück setzen wir unsere Weiterfahrt fort in Richtung Smederevo. Nach wenigen Kilometern werden wir von einem starken Regenschauer überrascht. Wir suchen Zuflucht an einer Tankstelle. Hier sind wir zur nächsten Rast gezwungen, den der Regen prasselt nur so vom Himmel. Immerhin hat die Tankstelle free WiFi.

Eine Stunde und ein kurzes Nickerchen später lässt der Regen etwas nach und er Himmel beginnt, sich zu lichten. Wir setzen die Fahrt nach Smederevo fort, wo wir zusammen mit Martin das letzte gemeinsame Abendessen genießen. Hinter Smederevo trennen sich dann unsere Wege. Wir setzen die Fahrt in Richtung Süden fort, Martin zweigt gen Osten ab.

Die letzte Stunde im Sattel führt und in das kleine Dorf Lugacina. An einem lebhaften kleinen Shop sprechen wir die Einheimischen an und fragen, ob sie denn eine Idee hätten, wo wir heute Nacht unsere Zelte aufschlagen können. Nach einem erfolglosen Versuch spricht uns jemand auf deutsch an. Er fragt uns, ob er uns helfen könne. Wir schildern ihm kurz unser Übernachtungsproblem. Das sei gar kein Problem sagt er, wir könnten einfach bei ihm übernachten. Der nette Serbe, der ein Transportunternehmen in Wien führt, stellt sich uns als Misa vor. Wir trinken noch einige Bier zusammen, bevor wir uns gemeinsam mit ihm auf den Weg zu seinem Haus machen.

Misa hat ein großes Haus in dem Örtchen gekauft, das er aktuell renoviert. Er ist nur am Wochenende hier in Serbien, unter der Woche muss er arbeiten. Morgen will er wieder zurück nach Wien fahren. Um lange Wartezeiten an der Grenze zu vermeiden, fährt er immer schon um 5 Uhr los. Das heißt für uns, dass der morgige Tag sehr früh beginnen wird.

Doch bevor die Schlafenszeit für uns beginnt, sitzen wir zusammen mit Misa in seinem Wohnzimmer und unterhalten uns lebhaft bei einigen Flaschen serbischen Biers. Er erzählt uns von seiner Familie, von Serbien und von dem kleinen Dorf, in dem er auch aufgewachsen ist. Als Mitternachtssnack bekommen wir Weißbrot und Speck serviert.

Nach dem Essen führt er uns hinten in seinen Garten. Er sagt, er wolle uns noch etwas zeigen. Als wir den Garten betreten kommt uns seine Hündin mit vier kleinen Welpen schon entgegen. Die kleinen sind etwa vier Wochen alt und sehr niedlich. Das sage sogar ich, als jemand, der sonst keinen Bezug zu Tieren hat. Misa füttert seine Raubtiere mit Dosenfutter, dazu bekommen sie noch etwas vom köstlichen Speck. Gespannt beobachten wir die Raubtierfütterung.

Es ist nun schon halb 12. Misa ist müde, genau so wie wir, und wir bauen unser Nachtlager in einem seiner Zimmer auf. Um 4 Uhr will er aufstehen, wir ebenso. Misa freut sich, dass er Gäste aus Deutschland hat. Wir bieten ihm an, dass er gerne unser Gast sein kann, wenn er einmal nach Deutschland kommt.

Erschöpft vom langen Tag gehen wir schlafen. Es wird eine sehr erholsame Nacht, fast wie im Hotel.

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Der Herr der Räder: Die Gefährten

Bild Geschrieben am 11.06.2018 von Kai Oczko
Team: Das TEAM
Kommune: Rheinberg im Kreis Wesel

Am 3. Juni passieren wir zunächst die Landesgrenzen von Kroatien und kurze Zeit später Serbien. Wir sind noch immer zu dritt unterwegs. Zum ersten Male befinden wir uns auf unserer Reise außerhalb der Europäischen Union. Die Währung ist der serbische Dinar, die Sprache besteht aus für uns unverständlichen kyrillischen Schriftzeichen. Hier nimmt unsere Reise noch einmal ganz neue Fahrt auf.

Zunächst haben wir Probleme, den Grenzübergang zu Serbien zu finden. Nach rund sieben Kilometern einsamem Radweg in der prallen Sonne finden wir uns an einem Grenzzaun wieder. Die zwei jungen Männer auf der anderen Seite der Grenze sagen uns, dass wir wieder zurückfahren müssen, um die Grenze zu passieren. Das kostet uns viel Zeit.
Kurz hinter der serbischen Grenze machen wir spontan Halt im kleinen Dorf Bezdan, um uns einige Erfrischungen zu kaufen. Während wir unsere Kaltgetränke genießen, beobachten wir zwei Radreisende, die auf der Straße zügig an uns vorbei fahren. Sie scheinen uns jedoch nicht zu sehen. Kurze Zeit später sitzen wir wieder auf unseren Drahteseln und setzen die Fahrt fort. Und prompt sehen wir die beiden Radler vor einer Kneipe stehen. Wir halten an, unterhalten uns kurz, tauschen unsere Reisepläne aus. Es passt einfach alles uns wir tun uns für die Tagesetappe zusammen. Wir reisen nun mit Katharina und Martin, insgesamt zu fünft. Unsere Gruppe wird immer größer.

Gegen Abend erreichen wir die erste größere Stadt in Serbien, Sombor. Hier soll ein Campingplatz auf uns warten. Wir sind fast durch die komplette Stadt gefahren, da fällt uns das kleine Schild auf. Bike Camp Longtour sieht zunächst aus wie ein gewöhnliches Bed & Breakfast, stellt sich dann aber als ein Campingplatz im ruhigen Hinterhof heraus. Der Gastgeber Ped ist selber begeisterter Radfahrer und hat hier ein kleines Paradies für Radreisende auf dem EuroVelo 6 eingerichtet.

Der Garten ist als kleiner Campingplatz eingerichtet und bietet alles, was der einfache Radfahrer nach einem anstrengenden Tag im Sattel benötigt. Eine saubere Toilette und eine Außendusche, gepflegter Boden für das Zelt und eine Art Aufenthaltsraum mit Küche, Kühlschrank und Tischen. Ped hat sogar eine kleine Fahrradwerkstatt in seinem Garten eingerichtet, die kurze Reparaturen am Rad ermöglicht.

Kurz nach unserer Ankunft findet im Innenhof von Longtour eine Veranstaltung für Fahrradfahrer statt. In Sombor ist Bike Day und zum Abschluss des Tages versammeln sich die Radler zu einer Kundgebung mit Limonade bei Longtour. Zwischenzeitlich erreichen noch zwei Radlerinnen das Camp, Franziska und Steffi. Unter deutscher Besatzung wird es ein geselliger Abend mit vielen Geschichten und Anekdoten aus unseren ersten Wochen auf der Straße.

Das Longtour Bike Camp war unserer Meinung der am liebevollsten gestaltete Campingplatz am EuroVelo 6. Die Gastgeber sprachen gutes englisch und waren sehr herzlich. Es fehlte an nichts und wir bekamen mehrmals Kaffee serviert. Diesen Campingplatz möchten wir gerne weiterempfehlen.

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Stadtradeln 2018 im Kreis Wesel

Bild Geschrieben am 11.06.2018 von Kai Oczko
Team: Das TEAM
Kommune: Rheinberg im Kreis Wesel

Im Kreis Wesel und in vielen anderen Landkreisen und Kommunen startet auch dieses Jahr wieder das beliebte Stadtradeln. Fahrradfahrer aus ganz Deutschland möchten damit das Fahrradfahren in ein positives Bild rücken und die Wirkung auf Umwelt- und Klimaschutz herausstellen. Das Stadtradeln startet heute, am 11.06.2018 und geht bis einschließlich 01.07.2018.

Aufgrund meiner Fahrradreise hat die Stadt Rheinberg mir angeboten, dieses Jahr als StadtradelSTAR für die Stadt Rheinberg teilzunehmen. Für mich bedeutet das den Verzicht auf die Fortbewegung mit einem Auto im gesamten Zeitraum des Stadtradeln im Kreis Wesel. Das stellt für mich natürlich kein Problem dar, da ich hier unterwegs sowieso kein Auto habe. ?

Auch die NRZ hat einen kurzen Artikel zum Stadtradeln und meiner Teilnahme veröffentlicht: https://www.nrz.de/staedte/rheinberg-xanten-umland/auch-schon-zehn-jahre-alt-das-stadtradeln-id214510877.html

Wer noch kurzentschlossen am Stadtradeln teilnehmen möchte, kann zunächst unter www.stadtradeln.de nachsehen, ob die eigene Stadt daran teilnimmt und sich dann anmelden und ab sofort seine zurückgelegte Strecke täglich eintragen.

Ich hoffe, ich kann viele Leute für die Fortbewegung mit dem Fahrrad inspirieren. Es muss ja nicht gleich die Fernreise mit dem Fahrrad sein, im Alltag macht sich das Rad genau so gut.

Keep cycling and a safe ride.

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