Schwielowsee braucht eine Fahrrad-Werkstatt! Aber vorher etwas „Tech-Talk“

Bild Geschrieben am 17.09.2020 von Christian Wessel
Team: Klima-Initiative Schwielowsee
Kommune: Schwielowsee

Im Schwielowseer Stadtradlen-Blog ist ja wirklich viel Leben drin!

Kathrin schreibt teilweise mehrmals täglich über ihre verschiedenen Aktivitäten – zu denen sie immer mit dem Rad fährt – vorbildlich, klasse!
Annedore ist ohne Auto mobil – mit 3 kleinen Kindern – mit Lastenrad, Fahrradanhänger und nun auch mit dem zweiten Spross auf dem eigenen Rad – super!
Und Max ist wechselweise mit nem schnellen Rennrad oder Gravelbike unterwegs und macht beim Stadtradeln die 1.000 km voll – beeindruckend!

Es sind schon viele Themen vorgekommen, die ich auch „auf der Liste“ hatte. Das Lastenrad z.B. ist nicht nur bei Annedore ein Thema, auch Kathrin hat es für den Einkauf genutzt. Ich meine, es sollte Lastenräder zur Miete bei uns in der Gemeinde geben. Eins in jedem Ortsteil, damit man damit den wöchentlichen Einkauf erledigen kann. Man kann zwar auch recht viel mit einem robusten Tourenrad und 4 Packtaschen transportieren, aber da braucht man schon ziemliche Pack-Künste. Ich mache das meist wöchentlich, wenn ich bei meinen Eltern in Kladow vorbeischaue und dort den Wocheneinkauf erledige, siehe Foto. Das klappt aber nur, weil mein Rad ein extra-robuster Lasten-Esel ist..........

Womit ich zu DEM Thema komme, das in unserem Blog noch nicht vorkam und auf das ich mich seit Tagen freue:

„Tech Talk“! Ja, ich bin Ingenieur und habe ein Faible für Technik! Und beim Fahrrad gibt es viele grundsätzliche und spezielle Themen, über die man wunderbar reden / schreiben / „philosophieren“ kann… also los geht’s!

Ich möchte hier mein Fahrrad vorstellen – beziehungsweise mein „Alltags-Rad“ – ich habe noch 3 weitere Räder im Einsatz, aber das ist ein anderes Thema (Max, wir sollten uns mal verabreden…) ;-)

Mein Alltags-Rad habe ich mir vor 5 Jahren gekauft. Vorher hatte ich meine Alltagsfahrten mit einem mit Straßenreifen, Gepäckträger, Schutzblechen, Licht etc. ausgestattetem ausrangierten Mountainbike erledigt. Bis die Kettenstrebe brach – ein typischer Ermüdungsbruch des Stahlrahmens, nach 15 Jahren intensiver Nutzung mit Packtaschen; kein Wunder, dafür war er nicht gemacht. Also musste ein wirklich robustes Stadtrad her, welches mindestens die nächsten 15 Jahre hält und wenig Ärger macht. Das sowas nicht ganz billig ist, war klar. Und ich hatte natürlich über die Jahre schon einige Ideen im Kopf, die ich irgendwann mal umsetzen wollte.

An erster Stelle: Eine Nabenschaltung mit 14 gleichmäßig abgestuften Gängen von dem Hersteller aus Kassel mit dem „R“ am Wortanfang. Der Kenner sieht das auf dem Bild unten natürlich sofort. Eingehüllt in Konservierungsspray, das ich im Frühjahr regelmäßig „vergesse“, abzuwischen.
Der Rahmen: Extra-Robust, entwickelt für extra große und schwere Radler. Also mit reichlich Reserven und Zuladungsmöglichkeit.
26-Zoll-Felgen die eigentlich nur in Tandems eingebaut werden, gerade eingespeicht, mit „unplattbar“-Reifen mit Allwetter-Profil, auf 4-5 bar aufgepumpt, damit sie gut rollen.
Vorne natürlich ein super-duper Nabendynamo mit nur 3 Watt Rollwiderstand, damit das Fahren mit Licht nicht bremst.
Was ist auf dem Bild noch zu erkennen?
Die Anhängerkupplung – für sperrige Transporte kommt der alte Kinderanhänger ab und an noch zum Einsatz – 40kg Zuladung sind erlaubt!
2 Flaschenhalter – im Sommer brauche ich bis zu 1 Liter (Wasser!) pro Stunde.
Klick-Pedale. Klar, zum „Rund treten“… und sonst falle ich vom Rad. ;-)
Eine etwa alle 200km gereinigte und geschmierte Kette – sonst geht ja die halbe Leistung als Reibung verloren.
Je ein robuster Gepäckträger hinten und vorn.
Und noch eine paar Details, die hier aber vermutlich viel zu weit gehen würden (liest überhaupt noch jemand???).
Das Ganze wiegt etwa 15 kg + Schloss (1,3 kg!) + Radflasche(n) + Packtasche(n) mit Notwerkzeug, Ersatzschlauch, Regenzeug … also sind es selten unter 20kg, die die Fuhre wiegt. Das fällt aber nur auf, wenn ich das Rad die Treppen an der Brücke am Caputher Gemünde oder am Bahndamm am Templiner See rauf- und runtertrage… hier wären mit dem Rad befahrbare Rampen wirklich sinnvoll!

Mit so einem Rad macht das Alltagsradeln einfach Spaß. Kram in die Packtasche(n), Helm auf, losfahren. Die Kleidung passend zum Wetter – von luftig bis völlig wetterfest bei Regen und im Winter. Und im Urlaub mit den Kindern nehme ich natürlich das schwere Gepäck, das Zelt, die Isomatten etc. . Es kommt vor, dass ich mein Rad nicht mehr anheben kann – aber es rollt trotzdem prima geradeaus!

„Geradeaus“ – okay, es ist Zeit „die Kurve zu kriegen“ – zurück aus den Verzweigungen der Fahrrad-Leidenschaft, hinein in mehr allgemeingültige Themen. Für die meisten Radfahrer taugt ja ein normales Fahrrad, und dann geht es um ganz andere Fragen. Wie wäre es zum Beispiel, wenn es bei uns in der Gemeinde eine Fahrrad-Werkstatt gäbe? Es radeln über 300 Schwielowseer*innen beim Stadtradlen mit. Bei kleinen oder größeren Problemen, zur Wartung oder zum Radkauf muss man nach Potsdam oder in die Nachbargemeinden fahren. Es gab früher mal eine Fahrrad-Werkstatt in Caputh in der Nähe des Fähranlegers. Ist so etwas nicht eine Geschäftsidee, die heute wieder funktionieren könnte? Oder wäre eine tageweise geöffnete Selbsthilfe-Fahrrad-Werkstatt ein Anfang?

Ich freue mich auf Reaktionen zu dieser Frage – und natürlich zu dem kleinen (!) Ausflug in den Fahrrad-„Tech Talk“.

Ich bin über c.wessel(at)klima-schwielowsee.de zu erreichen.

Euer / Ihr Christian Wessel

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