Umzingelt - oder: was Jan Ullrich mit der roten Laterne zu tun hat

Bild Geschrieben am 23.07.2020 von Daniel Kietz
Team: RADhaus
Kommune: Riegel am Kaiserstuhl im Landkreis Emmendingen

Die Freude über die Radelbegeisterung meiner Bürgerinnen und Bürger ist groß. Kurz vor Ende der drei Wochen ist Riegel im Landkreis ganz vorne mit dabei - und das bei der ersten Teilnahme.
Aber vor lauter Freude habe ich ganz aus den Augen verloren, dass es auch eine Wertung für Stadtradel-Stars gibt.
Ein kurzer Blick in die Tabelle verrät: auch hier gibt es eine exponierte Platzierung - leider nur von der falschen Richtung: aktuell Platz 100 von 112 radelnden Stars. Das riecht ja schwer nach roter Laterne :-(
Positiv betrachtet könnte man sagen: Riegel hat das Feld der Teilnehmenden umzingelt.

Da das aber nicht das Ziel ist, muss dringend noch eine Lösung her - 30 Stunden hätte ich ja noch. Also möglichst viele Kilometer in möglichst wenig Zeit, weshalb ich mich entschließe, um 18h den Bleistift aus der Hand zu werfen.

Mit welchem Gefährt wäre das zu schaffen?
Das Ebike meiner Frau drängt sich auf, aber wir haben ja letzte Woche gelernt, dass das schon bei 25km/h nichts mehr bringt.
Da fällt mir ein, dass in der Garage ganz hinten im Eck noch mein altes Rennrad hängt - ein 25 Jahre altes legendäres Vento 504 der Marke Bianchi. Gebraucht gekauft zu einer Zeit, als es noch en vogue war, die Tour de France-Marke von Jan Ullrich zu fahren. Ein paar Jahre später wollte das ja nun keiner mehr haben und so hängt es halt in der Ecke rum. Aber für den jetzigen Zweck wäre das genau das Richtige.
Tatsächlich lassen sich die Reifen noch aufpumpen (die Luft bleibt sogar drin) und mit einigen Tropfen Öl hier und da ist die Maschine wieder fahrbereit.

Was braucht es noch? Ein Ziel und einen Begleiter. Letzterer ist mit meinem Bruder gleich gefunden (auch er hat so ein altes Teil, was für einigermaßen Wettbewerbsfähigkeit sorgt).
Auch die Vorgaben für das Ziel sind klar: flache Etappe wegen den Kilometern in kurzer Zeit (somit ist der Kaiserstuhl schon mal raus) und eine Versorgungsstation ist Pflicht (quasi als Oase in der Wüste). Was liegt also näher, als den Kiosk in Weisweil am Rhein ins Visier zu nehmen?
Gesagt getan geht es an teilweise schon abgemähten Weizenfelder vorbei, durch die deutschlandweit bekannte Forchheimer Kartoffellandschaft (lokal auch Herrrrdepfelfelder gnannt) und durch die Rheinauen vorbei an den immer wieder neuen witzigen Holzskulpturen an den Rhein.
Nach einer kurzen Erfrischung ist die nächste Station Sasbach, das wunderschön gleichzeitig am Rande des Kaiserstuhls und auch am Rhein liegt (für Tagesgäste zu empfehlen: traumhafter Ausblick vom Limberg auf Rhein, Kaiserstuhl und Vogesen).
Das i-Tüpfelchen ist dann für den erschöpften Radler auch die kleine Gartenwirtschaft direkt am Fluss mit europäischem Flair, denn die unmittelbare Nähe zu Frankreich (Luftlinie 200m) lockt auch viele Gäste aus unserem Nachbarland an.

Nachdem auch hier der Akku wieder gefüllt ist, geht es am Kaiserstuhl entlang über Königschaffhausen und Endingen zurück nach Riegel.
Die 40km in 2,5 Stunden mit Pausen katapultieren mich vorübergehend von Platz 100 auf Platz 95. Der roten Laterne bin ich dadurch wahrscheinlich entronnen, aber ob es für einen zweistelligen Rang noch reicht, bleibt fraglich.

Auf jeden Fal war's schön und ich bin auf Wegen gefahren, die ich vorher noch nie gesehen habe.

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