Kaiserstuhl unter Strom - oder wie der Bürgermeister nach Texas kommt

Bild Geschrieben am 10.07.2020 von Daniel Kietz
Team: RADhaus
Kommune: Riegel am Kaiserstuhl im Landkreis Emmendingen

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen - mit den 1,1km von zuhause ins Rathaus kann ich wahrscheinlich keinen Blumentopf gewinnen.
Aber glücklicherweise gibt es diese Woche ja noch die eine oder andere Gelegenheit, die etwas mehr Kilometerpotential verspricht. So zum Beispiel am Mittwoch ein Termin in Oberrotweil im schönen Kaiserstuhl (ich habe ja keine Ahnung, wer diesen Blog so alles liest, aber jeder der den Kaiserstuhl noch nicht kennt, sollte mal hierher kommen - Werbeblock Ende).

Seit Kurzem gibt es ja eine perfekt Bahnverbindung von Riegel nach Oberrotweil: in nur 21 min mit der S-Bahn, und das stündlich. Ich wäre sogar genau 5 Minuten vor der Zeit dort. Das klingt verlockend, außerdem ist diese Strecke nicht dafür bekannt, dass sich Personen im Gleis aufhalten (siehe blog vom Montag). Aber ich habe ja noch etwas gut zu machen und ich möchte ja ganz unbedingt diese tolle wasserdichte Stadtradeln-Radtasche haben ;-)

Also dann mit dem Fahrrad. Problem: im neuen Rathaus in Oberrotweil gibt es wahrscheinlich keine Duschen und den anderen Teilnehmern möchte man den Achselschweißgeruch auch nicht zumuten - andererseits muss dort der Corona-Abstand von 2m eingehalten werden (somit hat das auch mal etwas Positives).
Weiteres Hindernis (im wahrsten Sinne des Wortes): der Kaiserstuhl ist das höchste Gebirge zwischen Schwarzwald und Vogesen - da muss man durch (bzw. drüber).

Aber die Rettung ist in Sicht: leise höre ich die Rufe des Ebikes meiner Frau aus der Garage, das sich wieder mal nach einer vernünftigen Aufgabe sehnt.
Lange Rede kurzer Sinn: wir beide machen uns eine Stunde vor dem Termin auf den Weg. Über die Feldwege nach Endingen und dann im Zickzack nach Königschaffhausen, vorbei an den berühmten Kirschen- und Zwetschgenbäumen. Zwischendrin vereinzelte Gemüsefelder (Aha - hier kommt also das regionale Gemüse her, das bei uns wöchentlich von der DistelKiste angeliefert wird).
Dann die nächst Entscheidung: außen rum oder drüber. Das Ebike entscheidet klar für drüber. Ich bin ja tatsächlich noch nie mit einem EBike über einen Berg gefahren - ich merke, das hat Suchtpotential (ist ja mit Turbo-Unterstützung auch kein Wunder).

Dann liegt er direkt vor mir: der Texaspass (an dieser Stelle wäre die Frage angebracht, warum der so heißt, wenn es jemand weiß, bitte melden). Da ich nicht weiß, welchen Nachweise man für die tolle Radtasche braucht, mache ich mal ein Passbild. Hier macht sich der von mir so oft belächelte Selfie-Stick meiner Tocher bezahlt (Ich sag nie mehr was). Rasante Abfahrt zum Auslüften nach Oberbergen und noch lockere 2,5km bis ans Ziel. Das war ja mal schön.

Die Veranstaltung ist nach 2h beendet und tatsächlich würde 5 min später ein Zug zurückfahren (der mit den 21 min Fahrzeit), Fahrradmitnahme nach 9h kostenlos.
Das klingt verlockend, aber der Akku ist ja noch 3/4 voll und bis zur Gemeinderatssitzung sind noch 2h Zeit.

Also wähle ich für die Rückfahrt eine andere Bergetappe - über Schelingen und Bahlingen nach Riegel (gibts dafür eigentlich das rot gepunktete Trikot?). Jetzt wohne ich schon fast mein ganzes Leben hier, aber von hintenrum habe ich Schelingen auch noch nicht gesehen - auch ganz schön.

Auf der Schelinger Höhe überschreite ich die Landkreisgrenze und freue mich auf eine tolle Abfahrt, die dank langer gerader Strecke Geschwindigkeit verspricht: bei 71km/h (ich habe einen Helm auf) muss ich aufgrund eines vorausfahrenden Autos abbremsen - schade. Die letzten Kilometer durch schöne Reblandschaft und schon bin ich wieder zuhause und 33km sind im Kasten.

Noch eine kurze Erfrischung und dann geht die Gemeinderatssitzung auch schon los (übrigens radelt die große Mehrheit des Gremiums auch mit - vorbildlich).

Fazit des Tage: Nicht nur mit Strom ist der Kaiserstuhl wunderschön - aber einfacher.

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