"Kritische Masse" in Kaufbeuren

Geschrieben am 28.09.2019 von Christoph Gießing
Team: Förderkreis Schule und Jugend Oberbeuren & Freunde
Kommune: Kaufbeuren

Kritische Masse? Also auf Englisch übersetzt critical mass - was soll das sein? Gute und berechtigte Frage! Wenn man dies zum ersten Mal hört ist es schwer sich etwas darunter vorzustellen. Jedenfalls treffen sich alle, die bei critical mass in Kaufbeuren teilnehmen - also mit dem Fahrrad mitradeln - an jedem letzten Freitag im Monat um 18:00 Uhr am Neptunbrunnen und drehen eine Runde durch unser schönes Kaufbeuren. Jetzt im Herbst und Winter bereits ab 17:00 Uhr. Gestern Abend waren es über 80 Radfahrer aus Kaufbeuren - Jugendliche, Familien, Senioren - alle verbindet ein Thema: Das Fahrradfahren und sichere Radwege! Es sind tatsächlich ganz normale Leute - und es werden immer etwas mehr.

Warum das Ganze? Entstanden ist die weltweite critical mass-Bewegung Anfang der 90er Jahre in San Francisco als Fahrraddemonstration, welche auf uns Radfahrer als Verkehrsteilnehmer aufmerksam machen sollte. "Wir stören nicht den Verkehr, wir sind der Verkehr"" lautete damals und auch heute noch das Motto. Heute ist es dringlicher denn je: Der Verteilungskampf um den öffentlichen Raum hat längst begonnen. Die IAA wurde durch Fahrradaktivisten lahmgelegt und verzeichnete sinkende Besucherzahlen, in nahezu jeder deutschen Stadt wird zurzeit über Verkehrskonzepte gestritten und weltweit pochen Aktivisten darauf, dem Fahrrad mehr Platz einzuräumen.

"Der Aufstand der Radler ist längst in vollem Gange. In Berlin sammelte eine Initiative zur Stärkung des Radverkehrs in kürzester Zeit mehr als 100.000 Unterschriften für einen Volksentscheid. Am Ende übernahm der rot-rot-grüne Senat die Forderungen weitgehend und erließ im vergangenen Jahr ein Mobilitätsgesetz: Fahrräder und öffentliche Verkehrsmittel sollen in der Verkehrsplanung der Hauptstadt künftig Vorrang genießen. Das ist so bislang einzigartig – aber den Bürgerprotest haben sich viele andere Städte abgeschaut. In Darmstadt, Kassel und München erreichten Initiativen das für einen Bürgerentscheid nötige Quorum locker."" titelte die FAZ Ende Juli 2019.

Und auch bei uns im Allgäu geht es ums Fahrrad und den umzuverteilenden Raum. In nahezu jeder größeren Stadt gibt es Initiativen und engagierte Bürger, die etwas ändern wollen. Auch ich schließe mich der von Werner Würfel aus Oberbeuren initiierten Radfahrt durch Kaufbeuren an. Schließlich ist Radfahren nicht nur gesund, umweltfreundlich und führt zu einer drastischen Reduktion der Lebenshaltungskosten - es ist auch ein Gegenentwurf zum verbreiteten Dogma, das Auto - selbst auf Kurzstrecken wie 300m zum Kindergarten - zu benutzen.

Diese Haltung erzeugt aber nicht immer ein positives Echo: Bei einem durch den Stadtrat Oliver Schill initiierten Treffen bei der Stadtverwaltung, an dem Vertreter der Polizei Kaufbeuren, des Ordnungsamtes und der Verkehrsüberwachung teilnahmen, habe ich erfahren dass es einige Beschwerden von Bürgern aus Kaufbeuren über die critical mass-Fahrt gegeben hat. Auch deshalb hat man sich getroffen um die Ausfahrt in einen rechtlich einwandfreien Rahmen zu bewegen. Auch die Sicherheit der Kolonnenfahrt spielt eine große Rolle. Dass nichts passiert, fährt vorne und am Schluss die Polizei mit. Vielen Dank dafür an die Polizei Kaufbeuren!

Eine Übersicht zu deutschlandweiten Critical Mass-Fahrten: https://criticalmass.de
Und etwas zum Hintergrund: https://www.zeit.de/mobilitaet/2014-06/critical-mass-radfahren-gesellschaft

Teilen: Facebook | Twitter