Fahrradfahren in Kaufbeuren - ein Wunschzettel

Geschrieben am 26.09.2019 von Christoph Gießing
Team: Förderkreis Schule und Jugend Oberbeuren & Freunde
Kommune: Kaufbeuren

Fahrradfahren in Kaufbeuren - am meisten Sinn dürfte das Fahrradfahren auf Kurzstrecken machen. Ich vermute, nahezu jeden Weg innerhalb des Kaufbeurer Stadtgebietes kann man mit einem Fahrrad intelligenter, schneller, gesünder, umweltfreundlicher und kostengünstiger als mit einem Auto zurücklegen. Man muss es nur wollen - ein Anfang wäre es, wenn man die ein oder andere Gewohnheit hinterfragt und man etwas Neues versucht. Zum Beispiel das Einkaufen mit dem Fahrrad - hat man dies für sich entdeckt, gut! Wenn nicht, hat man es wenigstens probiert.

Wir als fünfköpfige Familie radeln täglich diverse Strecken im Stadtgebiet - mein Frau Janine, unsere Kinder Lena und Maximilian fahren selbst, unser Jüngster, Elias noch im Anhänger oder Kindersitz. Wir radelten dieses Jahr bis heute 11.066 km.

  • Janine 2.610 km
  • Maximilian (7) 1.212 km
  • Lena (5) 822 km
  • Ich 6.422 km

  • Man kann auch sagen, wir haben dieses Jahr bereits 11.066 km Radfahrerfahrungen auf Kaufbeurens Radwegen und Straßen. Überwiegend Gute, um dies vorwegzunehmen. Man kann dennoch - nicht kostenfrei, aber meiner Einschätzung nach mit geringem finanziellen Aufwand - die Situation für Radfahrer Schritt für Schritt optimieren um mehr Menschen zum Umstieg auf das Rad zu bewegen. Es geht dabei nicht nur um objektive Sicherheit im Straßenverkehr, sondern vor allem um die subjektive Wahrnehmung der Radfahrer.

    Um unsere subjektiven Eindrücke sachlich mit Fakten zu untermauern starteten unser Sohn Maximilian und ich letzte Woche eine vierstündige Stadtrund- und Erfahrungserweiterungsfahrt durch Kaufbeuren. Wir sind natürlich nicht jeden Weg und Winkel abgefahren, aber wir wählten bewusst uns auch weniger bekannte Strecken. Herausgekommen ist der folgende Wunschzettel um Kaufbeuren für Radfahrer - vor allem für die, die es werden wollen und sollen - sicherer und damit attraktiver, aber auch für alle anderen Verkehrsteilnehmer präsenter zu machen:

    Bodenmarkierungen auf den vorhandenen Richtungs- und Zweirichtungsradwegen im Stadtgebiet sollten vermehrt zum Einsatz kommen, beschädigte Markierungen sollten erneuert werden. Ein weißes Fahrrad-Symbol auf der Fahrradseite der Wege, alle 100m eines, sollten dafür schon ausreichen. Warum? Zur Sicherung und Führung des Radverkehrs, vor allem in möglichen Konfliktbereichen. Zum Beispiel dem sehr guten und baulich von der Fahrbahn getrennten Rad- und Fußweg der Gutenbergstraße und dem in der Neugablonzer Straße. Wird dort optisch stärker auf Radfahrer hingewiesen, können Konfliktsituationen vermieden werden.

    • Bereiche in denen Radwege in die Fahrbahn überführt werden, sollte man zusätzlich baulich schützen, zum Beispiel durch mit Glasperlen bestreute und damit reflektierenden Strichmarkierungen mit einer roten Einfärbung der Fahrbahn oder besser; Leitschwellen mit Sichtzeichen wie Gummipollern. Zum Beispiel vor dem Kreisel der Kemptener Straße aus Oberbeuren kommend, der Johannes Haag Straße in der Nähe des Schwimbades und der Ecke Josef-Landes-Straße / Am Graben auf Höhe des Abzweiges Spitaltor. Zudem könnte man die Fahrradspur auch in dem Kreisel weiterführen. Achtung: Ein Gummipoller kann auch immer ein Hindernis sein, in Leinau kommen diese zum Beispiel am Abzweig nach Neugablonz zum Einsatz. Ich radel dort täglich vorbei und habe noch nie gehört, dass es dort zu einer Kollision mit einem Radfahrer gekommen ist.

    • Wir Radfahrer sind keine allwissenden Verkehrsteilnehmer, die alles richtig machen und vor allem auch keine Heiligen! Oft aus Bequemlichkeit aber auch aus Unwissenheit. So ist es jedenfalls bei mir, ich nehme mich da persönlich nicht aus. Daher sollte man verstärkt auf das Werkzeug Fahrradampel setzen. Es gibt einige Bereiche im Stadtgebiet, die man so sicherer gestalten könnte, da durch den Einsatz einer zusätzlichen Ampel für Radfahrer deutlich wird, dass die Lichtzeichen auch für Radfahrer gelten. Beispiele sind die Ampel an der Lindauer Straße aus Richtung Oberbeuren und die beiden Ampeln auf der Josef-Landes-Straße unmittelbar vor der Spittelmühlkreuzung. Diese werden regelmäßig von Radfahrern missachtet und bei Rot passiert. Problematisch ist dies, da die über die grüne Ampel laufenden Fußgänger in der Regel nicht mit einem ankommenden und nicht bremsenden Radfahrer rechnen. Ideal wären freistehende Fahrradampeln, direkt im Sichtfeld und in unmittelbarer Nähe und Höhe zum Radfahrer. Dies würde die Sichtbarkeit zusätzlich erhöhen - besser als die Fahrradampel an irgendwelche vorhandenen Masten anzuschrauben.

    • In einem weiteren Schritt könnte man die Fahrradampeln entsprechend der Geschwindigkeit des Radverkehrs schalten und damit auch eine grüne Welle für den Radverkehr erschaffen. Durch die Kreuzung des Fußwegnetzes wird dies nicht immer möglich sein, aber es zu probieren, die jeweiligen Schaltungen und Grünphasen den Bedürfnissen des Radverkehrs anzupassen, sollte man.

    • Die Fahrradampeln könnten teilweise mit dem grünen Pfeil für Radfahrer ergänzt werden, wo es die Situation zweifelsfrei zulässt.

    • Ausweisen einer Fahrradstraße im Stadtgebiet. Prädestiniert für dieses Projekt wäre meiner Meinung nach der Verbund Sedanstraße, Ludwigstraße und Kaiser-Max-Straße im Herzens Kaufbeurens. Dazu sollte man idealerweise die Ludwig- und Kaiser-Max-Straße fahrradtauglich(er) gestalten. Durch das teilweise Ersetzen der fahrradunfreundlichen, großen Pflastersteine, die einen durchschütteln, durch eine geteerte oder mit kleineren Steinen gepflasterte rote Furt. Es ist anfangs für alle Beteiligten mit Sicherheit ungewohnt, wäre aber entsprechend dem Leitsatz "Wo ich herkomme wird Bewährtes geschätzt und Neues begrüßt" ein ideales (Vorzeige-) Projekt. Ergänzt werden sollte das "Fahrradstraßen-Schild" für die Sedan-, die Ludwig-, und Kaiser-Max-Straße von Höhe der Einmündung der Sedanstraße bis zum breiten Bach vorerst durch den Zusatz "Kfz frei". Der Bereich vor dem Rathaus sollte autofrei werden.

    • Das verbotene Überholen von Radfahrern vor und in Engstellen sollte dringend auch symbolisch untersagt werden. Im Kreisel der Kemptener Straße wird man oft vor und in dem Kreisel mehr als waghalsig überholt. Andreas Scheuer plant derzeit ein eigenes Verkehrsschild, dass das ohnehin untersagte Überholen in Engstellen noch ein Mal ausdrücklich kommuniziert. Ich denke, an dieser Stelle wäre es mehr als nötig.

    • Und als letzter Punkt wäre es eine sehr nette Geste, die Radwege auch im Winter freizuhalten und zu räumen. Aktuell werden zum Beispiel die Radstreifen entlang der Kemptener Straße im Winter für den beiseite geschobenen Schnee hergenommen. Wir Radler weichen deshalb auf die Straße aus und werden weit unter dem Mindestabstand - der nach Fahrradminister Scheuers Plänen endlich explizit auf 1,5 m definiert wird - überholt.

    Der große Vorteil und das schöne am Radeln in Kaufbeuren ist, dass es Potential hat! Nicht dass es wie es ist, nicht gut ist - das ist es. Ich denke dennoch, man kann es weiter verbessern. Und das sollten wir tun! Ich habe zusätzlich auch nicht den Eindruck, dass man von Seiten der Stadtverwaltung hier in irgendeiner Art versucht den Ausbau des Radwegnetzes zu ver- oder behindern. Im Gegenteil; bei Neubauprojekten wie der Straße Am Graben mit der Anbindung an das Forettle-Center hat man konsequent den Radverkehr bedacht. Unter anderem mit vorgezogegen Haltelinien und Fahrradampeln. Zudem habe ich Anfang des Jahres unserem Oberbürgermeister Herr Bosse einen Verbesserungsvorschlag gemacht, welcher umgesetzt wurde: Die farbliche Markierung des Radwegs an dem Abzweig Sophie-von-La-Roche-Straße / Lindauer Straße.

    Man sollte den Straßenverkehr letztlich nüchtern als Markt betrachten, in dem wir Radfahrer ein Teilnehmer von vielen sind. An einem Markt teilzunehmen, bedingt vor allem die Marktgleichheit. Das Auto wurde Jahrzehnte bevorzugt, unter anderem durch politisch gesetzte Privilegien wie die autogerechte Stadt. Den Radverkehr jetzt dagegen antreten zu lassen, bedingt daher einen Ausgleich durch eine gesonderte Privilegierung.

    Und dies ist letztlich zum Wohl aller Kaufbeurer!

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