Wie es sich anfühlt einen Brevet zu fahren

Geschrieben am 16.09.2019 von Christoph Gießing
Team: Förderkreis Schule und Jugend Oberbeuren & Freunde
Kommune: Kaufbeuren

Am vergangenen Samstag bin ich meinen ersten Brevet gefahren - also eine Langstreckenfahrt, welche man in einem bestimmten Zeitraum zu absolvieren hat. Brevets werden von regionalen Organisatoren unter dem Dach der Audax Randonneurs Allemagne (ARA), übersetzt in etwa "unabhängige Radwanderer Deutschlands", organisiert und durchgeführt. Es wird Wert auf einen geringen Organisationsgrad gelegt, d.h. im Vorfeld wird der Streckenverlauf veröffentlicht und kurz vor dem Start die Brevet-Kontrollkarte ausgegeben. Zudem gibt es einige Sicherheitshinweise zum Ablauf. Es besteht Helm-, Beleuchtungs- und Sicherheitswestentragepflicht. Alles andere liegt in der Hand des Radfahrers. Man ist vollkommen autark unterwegs.

Die Strecke beinhaltet mehrere Kontrollstellen, die man in einem gewissen Zeitfenster durchfahren und auf der Brevet-Kontrollkarte abstempeln muss, zum Beispiel mit dem Stempel einer Bäckerei oder Gaststätte am jeweligen Ort. Um zu verhindern, dass Rennen ausgetragen werden, wird eine Mindest- und Maximalzeit für die einzelnen Etappen und auch den gesamten Brevet vorgegeben. Radfahrer, die sich für diese Art des Radelns begeistern, nennen sich Randonneure. Ihre Räder sind meist langstreckentaugliche Rennräder mit Schutzblech, Gepäckträger und fester Beleuchtung. Bei einem Brevet handelt sich ausdrücklich nicht um ein Rennen, die Durchschnittsgeschwindigkeit interessiert niemanden - vielmehr geht es darum, die physischen und psychischen Herausforderungen einer Langstreckenfahrt autark zu bestehen.

Und dies war auch mein Ansatz und Motivation an einem Brevet teilzunehmen. Daher habe ich mich bei den ARA-Organisatoren ARA München/Oberbayern für den 216km langen Herbstbrevet angemeldet. Der Start war am vergangenen Samstag um 08:00 Uhr am Roecklplatz in München. Ich bin mit dem ersten Zug von Kaufbeuren zum Hauptbahnhof nach München gefahren. Gebucht habe ich im Vorfeld ein Allgäu-Schwaben RegioTicket. Für mein Fahrrad musste ich eine zusätzliche Fahrrad-Tageskarte-Bayern lösen. In München angekommen bin ich direkt zum Roecklplatz, dem Ausgangspunkt des Herbstbrevets, geradelt. Die Startunterlagen wurden in einer angrenzenden Bäckerei ausgegeben. Es war eine nette Atmosphäre mit vielen Gleichgesinnten, mit denen man sich austauschen konnte.

Wir waren etwa 100 Teilnehmer, die in 30er-Blöcken im Abstand von je fünf Minuten gestartet sind. Ich war in der letzten Startgruppe und startete um 08:15 Uhr. Zuerst ging es durch die Isarauen, vorbei am Eingang des Tierparks Hellabrunn, über die Oberbiberger Strasse durch den Perlacher Forst nach Süden in Richtung Berge. Durch Bad Tölz, ging es anschließend hinauf zum Sylvensteinspeicher und Achensee. Danach ging es steil bergab ins Inntal und über den Inntalradweg Richtung Nordosten. Immer dem Inn folgend verlies ich den Inntalradweg in der Nähe von Oberaudorf und bin dann überland Richtung Nordwesten nach Großhelfendorf, einem Ortsteil der Gemeinde Aying, zum Ziel gefahren. Die Kontrollstellen lagen, nach 57 km in Lenggries, nach 133km in Wörgl, nach 175km in Brannenburg und am Ziel, nach 216km, in Großhelfendorf. Es war jeweils ein Stempel einer Gaststätte oder Bäckerei notwendig, inklusive der jeweiligen Uhrzeit.

Unterwegs hatte man immer wieder Gelegenheit sich mit anderen Randonneuren auszutauschen, anzuhalten und das ein oder andere Foto zu machen und die Aussicht zu genießen. Die oberbayrische Voralpenregion hat mir gut gefallen - fast so gut wie unser schönes Allgäu. Insgesamt habe ich für die Strecke gute neun Stunden gebraucht. Es war ideales Wetter und eine tolle Erfahrung für mich und ich bin sicher, im kommenden Jahr wieder so eine Langstrecke in Angriff zu nehmen.

Nach Hause bin ich mit der S-Bahn von Großhelfendorf zum Hauptbahnhof gefahren und dann mit dem ALEX weiter nach Kaufbeuren. Insgesamt bin ich an diesem Tag knapp 225km geradelt, die Strecken zum Bahnhof und dem Rocklplatz eingeschlossen. Am Abend wurde ich dann zuhause ganz herzlich von meiner lieben Familie begrüßt. Alle Kinder sind noch wach geblieben um mich zu begrüßen. Dies war eine tolle Überraschung!



Meine Fahrt habe ich hier aufgezeichnet: https://www.strava.com/activities/2709425461
Die Seite der nicht-kommerziellen ARA-Organisation ARA München/Oberbayern mit der Beschreibung des Herbstbrevets ist hier: https://aramuc.de/brevets/200-km-herbst-rundfahrt-2019

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