STADTRADELN-Star Blog: München


Völlig unterschätzt

Bild Geschrieben am 28.06.2018 von Judith Schacht
Team: Offenes Team - München
Kommune: München

Drei Wochen sind jetzt vorbei. Drei Wochen nur Rad, kein Auto, kein Zug, kein ÖPNV. (Ich weiß gar nicht mehr, wie es sich anfühlt irgendwo zu sitzen, ohne dabei zu treten.) Zeit, Bilanz zu ziehen:

Unterschätzte Challenge: Ich gebe es zu, ich habe es mir leichter vorgestellt. Ich hatte diese Momente, in denen ich meine Challenge verflucht habe, z.B. bei Regen. Da musste ich ordentlich die Zähne zusammenbeißen, um nicht einzuknicken. Oder wenn ich abends noch auf das Rad gestiegen bin, um meine geplante Kilometerzahl zu erreichen. Umso stolzer bin ich jetzt, dass ich es geschafft habe: Ich habe keine Regel gebrochen und stolze 537 Radlkilometer in drei Wochen runtergerissen. Ein Wahnsinnsgefühl. Trotzdem: Ich bin wirklich froh, dass es jetzt wieder etwas entspannter wird.

Das unterschätzte Rad:

Ohne die STADTRADELN-Challenge der letzten drei Wochen wäre mir nicht bewusst geworden, wie viel mit dem Rad möglich ist. Man braucht wirklich kein anderes Verkehrsmittel. Und oft ist es sogar unkomplizierter als man denkt:
Mit der richtigen Kleidung ist ein bisschen Regen überhaupt nicht schlimm. Oft ist es sogar praktischer als man denkt: Wenn auf dem Frankfurter Ring die Autos im Stau stehen, radle ich einfach vorbei. Zudem muss ich nie einen Parkplatz suchen. Während ich radle, habe ich Zeit abzuschalten und Podcasts zu hören. Um ein Fitnessprogramm muss ich mich nicht mehr kümmern.

Mir ist in den drei Wochen klar geworden, wie viel mehr noch möglich ist und ich werde natürlich weiterradeln - sogar noch mehr als vorher.
Am meisten hat es mich gefreut zu sehen, dass das STADTRADELN tatsächlich etwas bewirkt: Ich habe in meinen Insta-Stories von der Challenge berichtet und tatsächlich hat mir eine Kollegin in Hamburg erzählt, dass sie wegen dieser Aktion Folgendes gemacht hat: Sie ist um 7 Uhr morgens nicht mit dem Auto zum Flughafen geradelt (45 MINUTEN!!!), stattdessen hat sie das Fahrrad genommen und ist damit auch am Abend wieder zurückgefahren. Ihr Kommentar: Wenn Du bei Starkregen radelst und das drei Wochen durchhältst, dann kann ich das auch. Und ich denke mir: Wenn sie das kann, dann radle ich das nächste Mal auch zum Flughafen. Das ist doch eine super Spirale!

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Eine Frage der Würde: Als Mensch oder Tier radeln?

Bild Geschrieben am 22.06.2018 von Judith Schacht
Team: Offenes Team - München
Kommune: München

Man sieht sie immer öfter. Die Radltiere. Denn wie Menschen sehen sie nicht mehr aus, diese Radler. Eher wie Schlangen. Von Kopf bis Fuß in engen Funktionsstoff gehüllt, behängt mit Flaschen und anderen undefinierbaren Optimierungsgadgets. Beschuht mit professionellen … ja, wie nennt man das eigentlich? Auf dem Kopf: zumindest ein Helm und meist auch noch eine funktionelle Schicht. Der Blick dieser Radltiere ist hochkonzentriert. Leicht grimmig. Denn: Sie sind so unterwegs, als ginge es um jede Sekunde.

Ich zucke immer leicht zusammen, wenn ich eines sehe. Ich will nicht zum Radltier werden. Ich will unentstellt und würdevoll – als ganz normaler Mensch – mit dem Rad von A nach B gelangen. Dass das geht, ist meine feste Überzeugung.

Und es gibt ein paar Tipps und Tricks, die ich in meiner bisherigen Fahrradkarriere gesammelt habe, die dabei helfen:

Kleidung

Aus beruflichen Gründen muss ich meisten einigermaßen schick aussehen. Bei Kleidern und Röcken sehe ich mittlerweile sofort, ob sie radfahrtauglich sind: Knielänge, plus minus zehn Zentimeter sollten sie dafür haben, der Saum etwas weiter ausgestellt. Finger weg von Bleistift-, Mini- und Maxiröcken.
Hosen, in denen man sich bequem hinknien kann, sind gut geeignet fürs Fahrrad. Problematisch können enge Skinny-Jeans mit steifem Stoff werden.
Man kann auch in normalen Jacken radeln. Wenn es kein billiger Plastikstoff ist, wird es zu keinen Schweißausbrüchen kommen, wenn man folgenden Tipp beachtet: Zieh Dich immer so an, dass es dir ein wenig zu kühl ist, beim Losradeln. Denn auf dem Fahrrad wird einem ein wenig wärmer. (Diese Regel gilt dann, wenn man normaler Stadtradler und kein Hochleistungssportler im Intensivtraining ist.)

Frisur

Pony ist schwierig. Ich habe mich von meinem vor kurzem fürs Radeln verabschiedet. Auftoupierte Haare und Helm vertragen sich auch nicht. Wenn möglich, stylt man sich kurz nach Ankunft am Zielort, bevor man zum Termin geht.

Und fürs das Lächeln auf dem Gesicht

Ich gucke eigentlich nie grimmig auf dem Fahrrad. Denn die Zeit beim Radeln verbringe ich damit mich fortzubilden, zu informieren oder unterhalten zu lassen. Bei mir sind es Podcasts. z. B. „Die Lage der Nation“, „Satire de Luxe“ (spätestens hier kommt das Lächeln) oder „Echtzeit“. Ansonsten Bayern 2. Hier noch ein Tipp: Auf keinen Fall zu laut hören. Und wenn möglich mit In-Ear-Kopfhören Fahrradfahren und den Kopfhörer nur in einem Ohr tragen. Denn man muss auch die Straße und die Umgebung noch wahrnehmen. Aber da ich nie rase, fühle ich mich sowieso recht sicher.

So gelingt es mir - Ausnahme: Starkregen - entspannt, nicht verschwitzt und völlig menschlich aussehend an meinem Ziel anzukommen.

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EINE LÜGE UND ZWEI TRICKS BEI REGEN

Geschrieben am 14.06.2018 von Judith Schacht
Team: Offenes Team - München
Kommune: München

Den Mittwoch, den vergesse ich so schnell nicht.
Termin um 10 Uhr in der Innenstadt, Starkregen. Die Frau, die ich gleich treffen werde, kenne ich nicht. Für den Weg habe ich nur das Rad, gehen würde zu lange dauern. Ich bin in Moosach und eh zu spät dran. Ich denke kurz darüber nach heimlich mit der S-Bahn zu fahren. Die S-Bahn wirkt so verführerisch. Aber nein. Es wird zwar hart werden, aber es ist Ehrensache, wenn man was versprochen hat. Ich habe bei Wortbruch - auch wenn es nur gegenüber mir selbst ist - immer ein sehr schlechtes Gewissen.

Also mache ich, was ich machen kann:
Make-up: Minimal. Nur Lidstrich, der kann nicht weggeschwemmt werden, der Rest schon.
Kleidung: Leggins und Bluse statt Kleid, denn darüber muss ich noch meine wasserdichte Regenhose anziehen können. Meine weiße Regenjacke ist noch das Kleidungsstück, das am besten aussieht. Am schlimmsten sieht mein gelbes Käppi aus. Doch das ist bei Regen absolut unverzichtbar. Tipp 1: Nicht ohne Käppi radeln, das schirmt die Augen vom Regen ab und man kann noch etwas sehen. Ohne fährt man fast blind und es ist höchst unangenehm.

Dann hole ich meine Geheimwaffe hervor (Tipp 2): Wasserfeste Schuhüberzieher mit Clipverschluss. Die sind vor allem wichtig, um gefährliche Lücken zwischen Schuhen und Regenhose zu versiegeln. Hier läuft das Wasser nämlich sonst rein. Auch höchst unangenehm.

Ich sehe aus wie Bob der Baumeister, als ich das Haus verlasse. Da ist es dann auch egal, dass ich meinen Rucksack noch in eine Alditüte gewickelt habe.

Ich radle los. Starkregen. Das bedeutet, dass sich jede Sekunde auf dem Rad höchst unangenehm anfühlt. Man denkt: „Alles wird so nass, das wird doch durchgehen.“ „Hilfe, ich werde weggeschwemmt.“ „Ich sehe und höre fast nix.“ „Oh Gott, wie werde ich aussehen, wenn ich ankomme.“ „Was wird mein Termin sagen?“

Einziger Vorteil: Ich habe den Radweg für mich komplett alleine.

Durchhalten. Gedanken im meinem Kopf: „Was Dich nicht umbringt, macht Dich härter.“ „Sei keine Pussy.“ „Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung.“ Stopp. Dieser Satz ist eine Unverschämtheit. Die Person, die den erfunden hat, war nicht auf dem Rad bei Starkregen. Eine glatte Lüge. Streiche ich aus meinem Sprachgebrauch. Für immer.

Ich komme an. Ich bin so nass. Alles ist nass. Ich schäle mich aus meiner triefenden Hülle, bevor ich klingle. Doch man sieht es mir an, die Höllenfahrt, die ich hinter mir habe.
Die Dame, die mich empfängt und nicht kennt, guckt mich an… und sie lacht. Denn: Sie versteht, was los ist. Sie ist selbst Radlerin. Respekt, sagt sie. Ich habe mir tatsächlich ihre Sympathie erradelt.

Ja, denke ich mir innerlich, das habe ich verdient. Und ich denke mir auch, dass ich das hoffentlich nie wieder machen muss. Als STADTRADELN-Star sollte ich es jetzt vielleicht schönreden, aber das wäre gelogen: Bei Starkregen ist Radfahren eine Qual. Da kann ich jeden verstehen, der sein Rad an so einem Tag stehen lässt. Die Ausnahme wird ja wohl drin sein. Gönn ich mir nach dem STADTRADELN auf jeden Fall wieder.

Einen positiven Nebeneffekt hatte die Aktion aber auf jeden Fall: Einfacher Sommerregen gilt für mich ab jetzt als schönes Wetter. Denn jetzt kenne ich schließlich Starkregen.

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Unter Beobachtung

Bild Geschrieben am 07.06.2018 von Judith Schacht
Team: Offenes Team - München
Kommune: München

30 Grad und strahlend schönes Wetter. Ideale Bedingungen, um in die STADTRADELN-Wochen zu starten. Am ersten Tag habe ich auch noch frei. Deshalb bin ich sofort aufs Fahrrad gestiegen und habe einfach Strecke gemacht. Denn: Ich meine es absolut ernst mit meiner Challenge. 133 Kilometer pro Woche muss ich radeln. Am Montag habe ich 31 Kilometer davon schon mal fix gemacht.

Ich weiß nämlich, dass es nicht leicht wird. Denn wenn wir in eine typische Sommerregen-Phase in Deutschland geraten, werden die 133 Kilometer doppelt hart zu erradeln sein. An jedem sonnigen Tag, an dem ich Zeit habe, werde ich jetzt dementsprechend Kilometer einsammeln, damit ich an Regentagen nur das Nötigste machen muss.

Für Regentage bin ich selbstverständlich gewappnet, aber wer einmal bei strömenden Regen längere Zeit geradelt ist, weiß, dass der Spruch „Es gibt kein schlechtes Wetter nur schlechte Kleidung“ dann wie Hohn klingt.

Ich habe ja auch versprochen in den drei Wochen STADTRADELN innerhalb von München auf öffentliche Verkehrsmittel komplett zu verzichten (außerhalb muss ich und darf ich, sonst wird es unrealistisch). Und ich habe das natürlich auch auf meinem Instagram-Kanal verkündet (https://www.instagram.com/madame_story/?hl=de). Am Samstag, bevor die Challenge begonnen hat, saß ich dann in der S-Bahn und habe dort einen Insta-Story-Clip gepostet. Und sofort hatte ich mahnende Antworten von meinen Followern: „S-Bahn - darfst Du das denn überhaupt?“ Am Samstag durfte ich noch. Reines Gewissen. Aber gleichzeitig wurde mir klar, dass meine Challenge ernst ist, weil ich nicht nur von mir selbst kontrolliert werde.

Ich bleibe also ehrlich. Dabei hilft mir auch meine GPS-Fitness-Uhr, mit der ich alles, wirklich alles tracke. Ich verschwende keinen Radlkilometer, lasse nichts ungezählt.
In der ersten Woche war es auch bislang vor allem körperlich angstregend und hat viel Spaß gemacht. Aber ich ahne: Die fiesen Prüfungen stehen mir noch bevor…

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