STADTRADELN-Star Blog: Gießen


Das war's von mir als Stadtradeln-Star der Kommune Gießen

Bild Geschrieben am 29.05.2018 von Matthias Steinberger
Team: Praxis für Osteopathie: Ben Griell
Kommune: Gießen

Das Stadtradeln in Gießen ist seit Freitag, den 25. Mai vorbei. Nach insgesamt 3 wöchiger Amtszeit als Stadtradeln-Star, darf ich wieder in ein Auto steigen. Juhuu! Aber in welches?

Seit 12 Jahren im Besitz eines Führerscheines, aber noch immer kein eigenes Auto. Bevor sich nun alle Autohändler die Hände reiben – ihr habt keine Chance. Blicke ich in meine Glaskugel der Zukunft, sehe ich kein Auto. Viel mehr sehe ich ein Triathlon-Zeitfahrrad und einen Cyclocrosser, die meinen Fuhrpark erweitern. Erstes wäre der 911er unter meinen Sportmaschinen. Mit einem Lottogewinn würde ich als erstes im Fahrradladen stehen.

Rückblick auf das Stadtradeln
Blicke ich zurück in den Zeitraum des Stadtradeln’s, erinnere ich mich an viele regenfreie Tage. Das freut mich vor allem für diejenigen Radler, die sich während der Kampagne sagten ,,ich fahre nur bei Schönwetter“. Offensichtlich hat es funktioniert. Ich habe die Auswertungen der unterschiedlichen Teams interessiert verfolgt. Stellte fest, dass Gießen viele fleißige Radler besitzt, die teilweise erstaunlich viele Kilometer sammelten (Teamauswertung relativ).
Von 21 Tagen nutzte ich 17 Tage ein Fahrrad für alle Erledigungen des Lebens. Am Ende stehen 816 km in meinem Fahrtenbuch. Umgerechnet wurden dadurch 116 kg CO2 vermieden. Wer weniger geradelt ist, darf sich bitte nicht schlecht fühlen. Ich bin ein leidenschaftlicher Radsportler und fahre Fahrrad, während ihr anderen Sportarten und Interessen nachgeht. Und dann wäre da noch die Sache mit dem Verzicht auf ein Auto.

Wie fühle ich mich jetzt?
Für mich war es eine Leichtigkeit, alle Wege mit dem Rad, Bus oder Zug zu absolvieren. Es gab tatsächlich nur eine einzige Situation, in der ich beinahe schwach geworden bin. Gedanklich schon mit einem Fuß in die Beifahrertür trat. Doch letztlich konnte ich der Versuchung wiederstehen. Wen die ganze Geschichte interessiert: schaut euch den vorletzten Blogeintrag von mir an. Mittlerweile kann ich darüber lachen.
Mein Leben als Stadtradeln-Star unterschied sich kaum von dem, das ich seit vielen Jahren führe. Während andere Stars damit beschäftigt sind nach Problemlösungen für alltägliche Umstrukturierungen zu suchen, konnte ich auf langjährige Erfahrungen zurückgreifen. Zwei Mal in den Urlaub reisen, Freunde besuchen, Einkäufe erledigen und mich ständig an anderen Orten aufhalten. Ich fühle mich nach wie vor: entspannt und ausgeglichen.

Ein Abschluss ohne Ende
Die Blogeinträge und der mediale Wirbel um das Stadtradeln werden, zumindest für Gießen, bald erloschen sein. Es werden nur noch diejenigen darüber reden, die daran teilgenommen haben. Zusammen mit Freunden, Kollegen und Bekannten in gemeinsamen Teams unterwegs waren. Ich hoffe, ihr hattet eine tolle Zeit per Pedal! Es kann so weitergehen – auch ohne Stadtradeln..
Der Gießener Anzeiger veröffentlichte am Montag, den 28. Mai ein Interview mit mir. Man kann es sich im Onlineangebot noch ansehen. Für mich ist es ein gelungenes Grande Finale als „Star“. Ein Stadtradler bleibe ich trotzdem – und das nicht zu knapp.
Mehrfach habe ich erwähnt, welche Erfahrungen und Erlebnisse ich mit einem Rad seit Jahren sammele. Das passte weder in das Format eines 3-Wochen-Blog‘s, noch in die mich unterstützenden Medien. Für alle, die mehr über mich erfahren oder den Kontakt aufnehmen möchten um mir persönliche Fragen zu stellen, können dafür meine private Homepage besuchen: www.matthias-steinberger.de
Ihr findet dort u.a. Verweise auf Online-Fotoalben und Videos meiner kleinen und großen autofreien Abenteuer. Über mein Leben vor und nach dem Stadtradeln berichte ich regelmäßig im sozialen Netzwerk. Bewusst öffentlich, damit meine Beiträge jeder einsehen kann, der dort ein Benutzerkonto besitzt.

Meine letzten Worte an euch als Stadtradeln-Star
Auch wenn das Stadtradeln jetzt vorbei ist… bleibt dran! Lasst euer Rad jetzt nicht einfach stehen, nur weil ihr keine Kilometer mehr eintragen dürft. Es haben hoffentlich viele Stadtradler gemerkt, dass es sich spätestens in der 3. Woche schon viel leichter fahren ließ. Das liegt daran, dass euer Körper gerade damit beginnt, sich auf regelmäßige Belastungen einzustellen. Er bewegt sich auf ein höheres Fitnesslevel. Hört ihr jetzt auf, rutscht ihr schnell wieder hinunter. Die nächste Radtour, die dann vielleicht erst in 3 Wochen stattfindet, wird sich anfühlen wie eure ersten schweißtreibenden Erfahrungen im Sattel. Ihr habt drei Wochen lang für eine gute Sache in die Pedale getreten – wäre doch schade, wenn das kein Früchte tragen wird.

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"Radfahrer sind das Allerletzte!"

Geschrieben am 25.05.2018 von Kristina Jago
Team: Praxis für Osteopathie: Ben Griell
Kommune: Gießen

Freitag, 25.5.2018. 7:20 Uhr. Kurz hinter der Kreuzung Grünberger-Licher-Moltke-Straße. Ich bin im Schritttempo auf dem Rad- und Fußweg rechts der Grünberger Straße auf dem Weg in die Praxis. Plötzlich schießt von rechts ein Auto aus der Einfahrt. Ich hebe den Arm, ärgere mich. Der Autofahrer kommt abrupt zum Stehen. Links neben mir stehen die Autos, die dort (aus welchem Grund auch immer) rechtens parken. Quer vor mir steht der Mann mit seinem schwarzen Kombi und kurbelt die Scheibe herunter. "Was?!" fragt er. "Das war knapp!" sage ich verärgert. "Das hier ist ein Fußweg", entgegnet er vorwurfsvoll, schon auf Krawall gebürstet, obwohl ich ihm doch gar nichts getan habe. "Sie dürfen hier gar nicht fahren. Kinder, ja. Aber nicht Sie." Der Weg neben der Grünberger Straße soll ein reiner Fußweg sein?! Es gibt keinen Radweg. Und keine Schilder, die den Weg als Fußweg ausweisen. Das einzige, was auf diesem Fußweg sicher erlaubt ist, ist Parken. Für Autos.

Da stehe ich also um 7:20 Uhr auf dem Weg zur Arbeit und lasse mich von einem Autofahrer beschimpfen. Fahre ich auf der Straße, stört es die Autofahrer. Nehme ich den Fuß- und Radweg, ist es auch nicht gut. Da will mich gerade ein Autofahrer vom Rad- und Fußweg verjagen. Entschuldigung - meint er das ernst?! "Radfahrer sind das Allerletzte!" schleudert er mir entgegen. Leider habe ich kein Nummernschild. Sonst würde er mich jetzt anzeigen, sagt er - während er mit seinem schwarzen Kombi den kompletten Rad- und Fußweg blockiert. Ich bin sauer. Wirklich sauer.

Wie es dazu kam, dass ich auf dem Rad- und Fußweg, der angeblich nur ein Fußweg ist, obwohl es keinen Radweg gibt, unterwegs war:

Zu Beginn der drei Stadtradel-Wochen habe ich mir vorgenommen, den kürzesten Weg zur Arbeit zu fahren. Eine richtige Fahrradinfrastruktur ist in der Gießener Innenstadt nicht vorhanden, also halte ich mich an die schnellsten Wege für Autos. Das bedeutet: An der SWG vom Lahnradweg auf die Gabelsbergerstraße (kein Radweg), über die Westanlage (ohne Radweg) zum Elefantenklo (netterweise eine kleine Haltebucht für Radfahrer an der Ampel), Südanlage, rechts in den Berliner Platz, Linkskurve Ludwigsplatz auf die Grünberger Straße, auf die linke Spur (wenn mich die Autofahrer lassen), dann über die Licher-Grünberger-Molke-Straße-Kreuzung zur Praxis Grünberger Straße.

Das halte ich eine Woche lang durch. In dieser Woche übersehen mich am Elefantenklo zwei LKW-Fahrer, obwohl ich schon an der Ampel in der Fahrradhaltebucht stehe, bevor sie von hinten heranrauschen, werde einmal fast überfahren, als ich am Berliner Platz rechts abbiege und fast täglich auf der Kreuzung zur Grünberger Straße auf Höhe der Verkehrsinsel abgedrängt. Zudem ist der Bordstein zum Fuß- und Radweg auf Höhe der Praxis so hoch, dass es zu gefährlich wäre, dort bei von hinten nahendem Auto hochzufahren.

So kommt es, dass ich ab der zweiten Woche bis zum Neustädter Tor auf dem Lahnradweg bleibe und erst dort auf die Straße wechsle. Dort stehe ich an der Kreuzung Neustädter Tor tagtäglich zwischen rechtsabbiegenden und geradeausfahrenden Bussen (deren Fahrer meist sehr rücksichtsvoll fahren) und Autofahrern, die meinen, sie müssten mich auf Höhe der Verkehrsinsel stadteinwärts noch schnell überholen. Richtung Marktplatz halten mich Autofahrer auf, die am Straßenrand einen Parkplatz suchen oder ganz plötzlich feststellen, dass sie hier (überraschenderweise genau heute) keinen Parkplatz finden. Am Marktplatz quetsche ich mich mit anderen Fußgängern und entgegenkommenden Radfahrern zwischen den Bussen entlang - um kurz darauf an der roten Ampel vor der Post anzuhalten. Diese Ampel ist mein persönliches Gießener Infrastruktur-Paradoxon. In diesem Bereich sollten eigentlich kaum Autos unterwegs sein. Hier könnte es für Radfahrer und Fußgänger paradiesisch sein. Weil aber doch so viele Autos unterwegs sind, stellte man dort eine Ampel für Fußgänger hin, die ohne Autos absolut bequem und sicher die Straße überqueren könnten - an der jetzt ständig Radfahrer und Busse stehen. An den Seiten parken Autos; kommt ein Bus von vorne, passt man selbst als Radfahrer kaum noch dazwischen. In der Innenstadt. Zwischen zwei Fußgängerzonen.

Über die Kreuzung am Berliner Platz biege ich nach links ab, hinterm Kino nach rechts, um dann einbahnstraßengerecht links die Roonstraße zu nehmen. An deren Ende stehe ich wieder an der roten Ampel. Ein grüner Rechtsabbiegerpfeil wäre hier super, den gibt es aber nicht. Also stehe ich hinter den Autos. Rechts parkende Autos. Nach vorne durchfahren? Fehlanzeige. Die Ampel wird grün. Für uns - und für die entgegenkommenden Autos aus der Eichendorffstraße. Die Autos sind meist schneller als ich. Keine Chance, auf den Mittelstreifen zu fahren, der mich nach links in die Grünberger Straße abbiegen lässt. Schaffe ich es doch, stehe ich hinter mindestens acht bis zehn Autos (egal zu welcher Tageszeit) und warte zwei bis drei Ampelphasen in deren Abgasen. Ich finde, das muss ich mir wirklich nicht antun.

Also bin ich dazu übergegangen, am Ende der Roonstraße im Schritttempo auf den Gehweg zu wechseln. Hier ist es vermutlich sogar einer, denn es gibt einen Radweg auf der Straße. An der Grünberger-Licher-Moltke-Straße-Kreuzung nehme ich die Ampel auf die Grünberger Straße, danach die Ampel auf die rechte Seite der Grünberger Straße. Alles im Schritttempo und rücksichtsvoll, aber am Ende schneller als stehend auf der Autospur. Und vor allem sicherer.

So quetsche ich mich auch heute morgen auf dem Rad- und Fußweg der Grünberger Kreuzung zwischen (auf dem Gehweg) parkenden Autos und der Gartenmauer entlang - und lasse mich anpöbeln. Ob er nie selbst Rad fährt, frage ich ihn. Er sagt: "Doch, tue ich, aber ich halte mich an die Regeln." Aha. Aber "Radfahrer sind das Allerletzte." Macht Sinn. Pauschalisieren ist ohnehin immer gut.

Ich hatte mir vorgenommen, die gesamten drei Wochen das Positive am Radverkehr in Gießen zu sehen. An manchen Tagen habe ich das Gefühl, dass viele Autofahrer verständnis- und rücksichtsvoller werden, mir Vorfahrt gewähren, vorausschauend fahren - Radfahrerfreundlich. Aber die Begegnung heute morgen war die Krönung und ist leider bitterer Alltag für Alltagsradler.

Gießen ist eine Autostadt. Und der Weg zur "Fahrradstadt" ist noch verdammt weit - wenn man dort überhaupt hin möchte. Aus dem Kommunalparlament radeln derzeit 11 von 59 möglichen Mitgliedern mit. Ich denke, es gibt noch ziemlich viel zu tun.

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An einem der letzten Tagen kurz davor in ein Auto zu steigen

Bild Geschrieben am 24.05.2018 von Matthias Steinberger
Team: Praxis für Osteopathie: Ben Griell
Kommune: Gießen

Ein weiterer Kurzurlaub steht bevor. Im Visier steht ein verlängertes Pfingstwochenende im schwäbischen Albstadt. Geplant sind Wanderungen auf den Traufgängen und allen voraus der Besuch eines Weltcup Mountainbike-Rennen’s am Pfingstsonntag. Der Ortsteil Tailfingen ist seit vielen Jahren der einzige deutsche Austragungsort der Weltserie. Bezahlbare Unterkünfte suchte ich im Januar vergebens. Deshalb fiel die Wahl auf einen Campingplatz (Sonnencamping) zwischen den Ortsteilen Ebingen und Lautlingen. Er bietet eine gute Ausgangslage für Wandertouren und verfügt über eine Bushaltestelle.

19.05. – Anreise
Ich verlasse Gießen um 7:28 Uhr mit Wanderrucksack und Tragetasche im Zug nach Frankfurt. Dort erfolgt der Umstieg in den ICE nach Stuttgart. Weiter in einem maßlos überfüllten Regionalexpress nach Albstadt-Ebingen. Um 12:30 Uhr verschaffe ich mir am Stadtplan eine Orientierung. Entscheide mich trotz der lästigen Tragetasche für den 5 km langen Fußmarsch zum Campingplatz. Erledige unterwegs alle Lebensmitteleinkäufe für die Pfingsttage. Voll bepackt betrete ich den auf Terrassen angelegten Campingplatz mit einsetzendem Regen und Gewitter. Es wuseln überall Mountainbiker umher. Der Platz scheint in festen Händen des Radsports zu sein. Ich registriere im Schnellscan Teamfahrzeuge und hochwertige Fahrräder. Es scheint so, als wären hier nicht nur Hobbysportler einquartiert. Mir wird die Zeltwiese auf oberster Etage zugewiesen. Zelt steht, Regen prasselt herab. In Tailfingen fahren parallel die U19 und U23 Herren in einer Schlammschlacht um den Sieg. Ich warte gespannt auf den morgigen Sonntag, für den ich das Tagesticket für insgesamt drei Rennen besitze.

20.05. - Mit dem Auto zum Weltcup?
Um 9:00 Uhr starten im 10 km entfernten Tailfingen die U23 Frauen. Es folgt um 11:00 Uhr die Frauen-Elite. 14:30 Uhr die Herren-Elite. Ich stehe bewusst früh auf (6 Uhr) um in Ruhe zu Frühstücken und mich an die Bushaltestelle zu begeben. Um 8:00 Uhr der Schockmoment: der erste Bus fährt an Sonn- und Feiertagen erst um 10:30 Uhr und wäre um 11:10 Uhr am Wettkampfgelände. Da habe ich wohl falsch in den Plan geschaut. Zudem lese ich auf der Tafel, dass der Bus 60 min vor Abfahrt telefonisch angefordert werden muss - auch das noch! Das Risiko am Ende auf einen Bus zu warten, der dann doch nicht kommt, ist mir zu groß. Der gesamte Campingplatz fährt nach und nach auf den Weltcup. Viele halten an und fragen, ob ich einsteigen möchte, doch ich muss Zähne knirschend alle Mitfahrangebote ablehnen. Für mich ein Moment zum Heulen! Habe ich bereits die Bilder vor Augen, wie die Elite des Sports gerade das Renngelände belebt. Ich muss da so schnell wie möglich hin!!!
Ich erfahre von einem Bus, der um 10:00 Uhr mit nur 8 minütiger Fahrtzeit im 5 km entfernten Ebingen abfährt. Den muss ich um jeden Preis nehmen um wenigstens vor dem Start des zweiten Rennens auf dem Renngelände zu stehen. Im leichten Sprühregen wandere ich schnellen Schrittes nach Ebingen und bin viel zu früh am Busbahnhof. Alle Bäcker haben geschlossen. Ein Taxifahrer steht auf dem Parkplatz bereit. Auch er könnte mich schnell ans Ziel bringen, doch obwohl die Versuchung groß ist wird der Gedanke überworfen. Ich sitze 40 min auf einer überdachten Bank und warte auf den Bus, der mich dann endlich zum Weltcup bringt. Ich sehe die beiden Hauptrennen und erlebe unvergessliche Momente.
Auf dem Rückweg widerfährt mich das gleiche Reise-Spektakel. Wobei ich versehentlich in den Shuttlebus einsteige und an das andere Ende von Albstadt gebracht werde. Von dort sind es sogar 8 km Fußmarsch bis zum Campingplatz. Grrr.
Es war der bisher einzige Tag im Rahmen des Stadtradeln’s, an dem ich mich dafür verfluchte, freiwillig auf ein Auto zu verzichten. Es hätte vieles leichter und angenehmer gestaltet. Doch am Ende des Tages blicke ich trotzdem auf viele tolle Ereignisse zurück.

21.-22.05 – Wandertage und Abreise
Den Montag erlebe ich wandernd auf dem Traufgang „Felsenmeersteig“ in der Sonne. Den Dienstag beginne ich mit einer weiteren Wanderung auf dem Traufgang „Ochsenbergrunde“, nach der ich mein Zelt im Mittagsregen abbaue. Zur Abwechslung mit dem Bus zum Bahnhof Ebingen und im Bahnverkehr wieder zurück via Stuttgart nach Gießen.

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Mit dem Rad zum Wettkampf Teil 1 bis 4

Bild Geschrieben am 24.05.2018 von Kristina Jago
Team: Praxis für Osteopathie: Ben Griell
Kommune: Gießen

Eines meiner Experimente in den drei Stadtradel-Wochen war es, mit dem Rad zum Laufwettkampf zu fahren – und danach trotzdem eine gute Leistung abzurufen. Wenn, dann richtig, dachte ich mir. Also habe ich am 13.5. in meiner Heimat am Altländer Blütenlauf in Hollern-Twielenfleth, am 16.5. am Firmenlauf in Gießen, am 19.5. am KAPS-Lauf in Oberbiel und am 21.5. am Pfingstlauf in Krofdorf-Gleiberg teilgenommen. Aber der Reihe nach.

Teil 1: Altländer Blütenlauf, 10 km, Startzeit: 9:00, Anfahrt: 21,4 km

Bei mir in der Heimat nehme ich zugegebenermaßen häufiger das Auto meiner Eltern. Die öffentlichen Verkehrsmittel fahren dort bei weitem nicht so häufig wie hier – und meine Freunde wohnen teilweise verstreut auf dem Land. An diesem Sonntag bleibt mir keine andere Wahl. 9:00 Uhr Start bedeutet 6:30 Uhr Frühstück. Rauf aufs Rad um 7:00 Uhr, da ich nicht sicher bin wie lange ich für die 21,4 km brauche, die Google Maps mir als Anfahrtsweg angezeigt hat. Meine Startnummer muss ich bis 8:30 Uhr abholen. Zu meinem Glück scheint die Sonne, aber es ist superkalt. Mit Arm- und Beinlingen über meiner kurzen Radhose und meinem Trikot schwinge ich mich aufs Rad. Ich habe – natürlich – Gegenwind. Nach 65 Minuten erreiche ich mein Ziel, die Sporthalle der Grundschule Hollern-Twielenfleth. Auch einige andere Teilnehmer sind mit dem Rad da – aber die Anzahl ist verschwindend gering – obwohl es richtig gute überdachte Fahrradständer gibt. Trotz gefühlt schwerer Beine läuft der Wettkampf wie gewohnt. Ich bin wacher als sonst, und irgendwie entspannter. Nach der Siegerehrung pedaliere ich gemütlich durch die Stadt Stade heim, beobachte Standup-Paddler auf der Schwinge – definitiv eine besonders schöne Variante des Heimwegs.

Teil 2: Gießener Firmenlauf, 5,2 km, Startzeit: 19:00

Zum Firmenlauf habe ich mich zusammen mit Matthias und Ben angemeldet. Ben wohnt in Wetzlar, nimmt mich normalerweise mit dem Auto mit zu Wettkämpfen. Am Abend vor dem Firmenlauf, der am Rathaus stattfinden wird, habe ich schon das Handy in der Hand, um ihm zu schreiben, ob er mich am Mittwoch nach dem Lauf mit heimnehmen kann – im selben Moment merke ich: Nein, kann er nicht. So fahre ich am Mittag mit dem Rad zur Arbeit. Schon am Marktplatz kommt mir die Autoschlange entgegen, die sich aufgrund der Einspurigkeit Richtung Berliner Platz gebildet hat. Ich dachte eigentlich, hier sei für Autos gesperrt. Und ich dachte, dass hier eigentlich genug Platz für Autos und Radfahrer sein sollte. Aber leider blockieren die Autos die komplette Straße zwischen Marktplatz und Berliner Platz. Alle Spuren. Ich weiche, ebenso wie alle anderen Radfahrer, auf den Fußweg aus. Im Schritttempo sind wir schneller als die Autos. Irgendwie macht mich das wütend. Die Straße ist für alle da – und doch haben es die Autofahrer wieder einmal geschafft, alle anderen zu verdrängen. Die Wut ist verflogen, als ich am Abend von der Praxis direkt zum Start spaziere. Hier läuft gefühlt ganz Gießen mit. Egal, ob Läufer oder nicht – gewonnen hat jeder, der beim Startschuss losläuft. Nach dem Zieleinlauf sitzen wir noch bei einer Apfelschorle und alkoholfreiem Bier zusammen, bevor Ben in sein Auto und Matthias und ich aufs Rad steigen. Auf dem Weg nach Hause kriege ich die totale Regenklatsche ab. Im ersten Moment denke ich, dass ein Platz im Auto an diesem Abend wirklich bequemer gewesen wäre – aber was solls: Duschen muss ich zu Hause sowieso. Und aus der Stadt bin ich mit dem Rad an diesem Abend schneller raus als jeder Autofahrer.

Teil 3: KAPS-Lauf Oberbiel, 10 km, Startzeit: 10:00, Anfahrt: 14,2 km

Der 10-km-Lauf in Oberbiel gehört zu meinen Lieblingsläufen. Hier treffen fröhlich-sportliche Menschen auf entspannte Natur und erstklassige Organisation durch das Team Naunheim. Wettertechnisch habe ich auch an diesem Samstag Glück, starte um 8:30 Uhr mit dem Rad Richtung Lahntalradweg. Hier bin ich an diesem Morgen völlig alleine unterwegs, beobachte am Campingplatz wie die Camper gemütlich aus ihren Zelten steigen, während einige bereits in der Sonne sitzen und Kaffee trinken: ein wunderbarer Moment von Freiheit und stillstehender Zeit. Beim KAPS angekommen, verbringe ich einige Zeit damit, einen geeigneten und sicheren Abstellplatz für mein Rad zu finden. Das ist fast immer das erste „Problem“, mit dem ich mich konfrontiert sehe, wenn ich irgendwo mit dem Fahrrad ankomme: Wo kann ich mein Fahrrad so abschließen, dass niemand meine Laufräder abmontieren oder das komplette Rad mitnehmen kann? Ich entscheide mich für die Rückseite des Gebäudes und ein ableitendes Rohr der Dachrinne, um mein Rad anzuketten. Schnell im Besitz meiner Startnummer, steige ich aus meiner Fahrradkleidung in die Laufsachen und stehe pünktlich am Start. Die ersten Kilometer bergauf laufen erstaunlich gut – vom Radfahren ist meine Muskulatur bereits warm. Am Ende laufe ich als erste Frau über 10 km über die Ziellinie, eine Minute schneller als im Vorjahr. Von einem Nachteil durch die Anreise mit dem Rad kann man also nicht sprechen.

Teil 4: Pfingstlauf Krofdorf-Gleiberg, 10 km, Startzeit: 9:30 Uhr, Anfahrt: 13,4 km

Am Montag-Morgen sind meine Beine schwer. Kurz überlege ich tatsächlich, im Bett liegen zu bleiben als der Wecker klingelt. Der Gedanke an den „Berg“ nach Rodheim-Bieber, den ich überqueren muss, um zum Start in Krofdorf zu kommen, erfüllt mich nicht gerade mit Vorfreude. Ich stehe trotzdem auf, schließlich bin ich dort wieder mit Ben verabredet (der mich theoretisch mit dem Auto hätte mitnehmen können). Mit 11,5 km/h schleiche ich die Steigung Richtung Rodheim hoch, überhole einen leicht übergewichtigen Mann mit Mountainbike, der kurze Zeit später wieder an mir vorbeisaust (ohne E). Ich versuche nicht, ihm zu folgen, meine Beine sind strikt dagegen. Bei kaum vorhandenem Verkehr strample ich zwischen Burg Gleiberg und Burg Vetzberg hindurch, genieße den Ausblick und die Sonnenstrahlen an diesem Morgen. Wie zuletzt bin ich pünktlich am Start – und suche wieder nach einer Abstellmöglichkeit für mein Fahrrad. Am Ende entscheide ich mich für einen Zaun, der den Parkplatz der Eduard-David-Sporthalle von der Straße trennt. Am Start habe ich Puddingbeine, sage zu Ben, dass ich langsam anlaufen und einfach ins Ziel kommen möchte. Ambitionen auf irgendwelche Platzierungen habe ich heute keine mehr. Es geht los. Ich hänge mich an Bens Fersen, versuche einfach nur an ihm dranzubleiben. Ben motiviert mich, wo er kann. Aber die Beine bleiben schwer. Die Strecke geht 5 km bergauf, nach einem Wendepunkt auf dem gleichen Weg wieder bergab. Ich quäle mich vorwärts, frage mich, warum ich nicht einfach mit dem Rad zum Dünsberg gefahren bin, um dort gemütlich zu frühstücken. Oder am besten: ohne Rad. Am Ende komme ich als dritte Frau im Ziel an, habe einen längeren Atem als die drei Frauen, die mir auf der Strecke von vorne entgegenkamen. Ohne Bens Motivation wäre das nicht möglich gewesen. Gemeinsamkeit macht stark - in jeder Sportart und auch im Radverkehr. Ich bin durch. Und dann fällt mir ein, dass ich noch mit dem Rad nach Hause muss. So pedaliere ich nach der Siegerehrung in Schrittgeschwindigkeit heim. Dort strahlt mich meine Mitbewohnerin zur Begrüßung an und fragt: „Runde Rennrad?“

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Stadtradeln ist viel mehr als "nur" Radfahren

Bild Geschrieben am 23.05.2018 von Kristina Jago
Team: Praxis für Osteopathie: Ben Griell
Kommune: Gießen

Zu Beginn meiner drei Wochen als Stadtradler-Star hatte ich mir vorgenommen, möglichst viele Menschen mit Fahrrad oder anderem fahrbarem Untersatz ohne Motor anzusprechen. Wer sich bereits gefragt hat, wo die vielen verschiedenen Statements dieser Personen bleiben: Es kam alles ganz anders.

Seit der Zeitungsartikel über das Stadtradeln nach der Pressekonferenz in der Gießener Allgemeinen und im Gießener Anzeiger erschienen ist, werde ich tagtäglich mehrfach auf der Straße und in unserer Praxis angesprochen – von völlig fremden Menschen in Turnschuhen, Anzughosen, auf Inline-Skates, mit Kinderwagen, von Patienten mit und ohne Rollator, per Mail, per Facebook-Nachricht. Das Fazit der Gespräche ist immer das gleiche: Die Autofahrer sind mit der Situation in Gießen unzufrieden, die Radfahrer fühlen sich nicht sicher und benachteiligt, die Fußgänger sind genervt von den Radfahrern, die auf die Fußwege ausweichen, die eigentlich manchmal auch Radwege sind, weil die Autos ihnen auf der Straße keinen Platz lassen oder an den Ampeln so lange Schlangen verursachen, dass es die Radfahrer nicht einsehen, zwei bis drei Ampelphasen deren Abgase einzuatmen. Kurzum: Es gibt viel zu tun. Aufgrund all dieser Gespräche habe ich allerdings darauf verzichtet, bewusst weitere Radfahrer anzusprechen.

Kommunikation ist das Zauberwort: So kam ich über Facebook mit dem Stadtradler-Star Jörg Kappe ins Gespräch, der für die Stadt Coesfeld radelt und derzeit die Stadtradler-Star-Wertung mit fast 3.000 km anführt. Radfahrer mit Leib und Seele, könnte man sagen. Im Rahmen seines Stadtradler-Daseins lädt er am Wochenende dazu ein, ihn bei seinen Radtouren zu begleiten.
Am Sonntag war ich bei der Inhaberin von Tellervision zum Kaffee trinken. Über Dutenhofen ging es auf dem Radweg parallel zum Lahnradweg neben den Bahnschienen (der mitten in der Kurve auf der Wetzlarer Straße endet/anfängt) nach Kleinlinden. Hier wäre es vielleicht sicherer, einfach auf der Hauptstraße weiterzufahren. Zum Glück herrscht hier Sonntags nicht das übliche Bahnübergangs-Auto-Chaos. Christiane Janetzky-Klein kümmert sich mit ihrem Tellervision-Team um die gesamte Ausstattung für Veranstaltungen verschiedenster Art wie Dekoration, Bierzeltgarnituren, Sektgläser, Besteck, Catering etc. und hatte mir bei der Auftaktveranstaltung zum Stadtradeln erzählt, dass sie innerhalb der drei Stadtradeln-Wochen so viele Aufträge wie möglich mit dem Fahrrad (inklusive Anhänger, aber ohne E) abwickeln wird. Als sie sagte, dass sie am darauffolgenden Tag 200 Sektgläser mit dem Fahrrad transportieren würde, wusste ich, dass ich mich danach unbedingt nochmal mit ihr unterhalten möchte. So saßen wir am Sonntag gemeinsam auf der Veranda ihres urigen Hostels „Shepert Inn“ in Kleinlinden, das sie nebenher auch noch führt, bei frisch gebackenen Waffeln – und aus einem geplanten kurzen Plausch wurden drei Stunden angeregte Unterhaltung über Stadtpolitik, Fahrradinfrastruktur und Reiseerlebnisse. Am eindrücklichsten ist mir der Satz in Erinnerung geblieben, den sie im Zusammenhang mit ihrem letzten Urlaub sagte: „Da habe ich gemerkt, dass ich eigentlich nichts von dem brauche, was ich habe.“ Vielleicht ist genau das die Frage, die sich jeder Autofahrer einmal stellen sollte, bevor er sich für kürzere ans Steuer setzt: Brauche ich das Auto für diese Tour?

Christiane braucht es für manche Touren wirklich. Auch, wenn sie es tatsächlich schafft, mit ihrem Anhänger 200 Sektgläser scherbenfrei von A nach B zu transportieren – mit Bierzeltgarnituren funktioniert das nicht. In einigen Situationen stößt man als Radfahrer an seine Grenzen – doch selbst Matratzen lassen sich, quer über den Sattel und Lenker gelegt, schiebend, zu zweit transportieren. Aber das muss man wollen.

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Eine Bahnfahrt, die ist lustig oder: IC = ImprovisationsComedy ?

Geschrieben am 18.05.2018 von Kristina Jago
Team: Praxis für Osteopathie: Ben Griell
Kommune: Gießen

Mein Ticket für die Rückfahrt am Montag, den 14.5. habe ich für 13:51 Uhr mit dem Metronom von Himmelpforten nach Hamburg-Harburg und von dort um 14:40 Uhr weiter im IC nach Gießen gebucht. Um 11:00 Uhr informiert mich eine Verspätungs-Alarm-Mail der Bahn darüber, dass der Metronom ausfällt. Das passiert mir zugegebenermaßen öfter. Zum Glück bin ich um 12:45 Uhr mit meinem Kumpel Alex in Harburg zum Mittagspausenpicknick am Bahnhof Hamburg-Harburg verabredet und nehme ohnehin den 11:51er Metronom, denn mit den Regionalzügen kann ich am Reisetag ja fahren, wann ich möchte, selbst mit Fahrrad im Gepäck – vorausgesetzt, die Strecke ist gleich. Der Metronom ist pünktlich, das geräumige Fahrradabteil sauber und fast leer. Hier hat man die Kapazitäten bereits an die Radeltouristen entlang des Elbe- und Osteradwegs angepasst.

Nach gemütlichem Picknick stehen Alex und ich pünktlich für den IC um 14:40 Uhr am Gleis. Ich habe einen Platz für mein Rad reserviert, Wagen 6 Nr. 144. Der IC wartet mit einer geänderten Wagenreihung und 30 Minuten Verspätung aufgrund einer Triebwerkstörung auf; IC = ImprovisationsComedy. Ein paar Minuten später sitzen Alex und ich am selben Gleis auf einer Bank in der strahlenden Sonne und führen unsere Unterhaltung fort. Ich kenne das schon, spekuliere bei jeder Heimfahrt auf 25% Rückzahlung aufgrund mindestens einstündiger Zugverspätung am Zielort. Man muss das Positive sehen.

Mit 35 Minuten Verspätung rollt der IC in Hamburg-Harburg ein, mit meinem Wagen an der richtigen Stelle. Das Fahrradabteil ist bereits fast voll, mein Platz jedoch noch frei. Die anderen Radfahrer und ich haben uns schnell sortiert, ich mache es mir im Abteil nebenan mit Laptop und einem Artikel für die Sportzeitschrift Runner’s World gemütlich. Dass ich im Zug entspannt arbeiten kann, schätze ich sehr.

In Lüneburg steigen vier E-Biker zu. Zwei von ihnen gehören die verbleibenden Hänge-Stellplätze. Zu dritt hieven wir die Räder an ihren Platz und stellen fest, dass die Hängevorrichtungen für E-Bikes definitiv nicht mehr zeitgemäß sind. Alleine wäre das Einhängen nicht zu schaffen. Die zwei anderen E-Biker sind im falschen Abteil gelandet. Neben dem in der digitalen Wagenreihung angezeigten Fahrradabteil gibt es offensichtlich ein zweites in der Mitte des Zuges – Wagen 16 statt 6. Also heißt es für die beiden eine Station weiter: Raus aus dem Zug, Sprint, wieder rein ins richtige Abteil. Jeder Fahrradstellplatz ist schließlich für ein Fahrrad reserviert. Denkste.

In Hannover wird unsere Wagen-6-Fahrradgemeinschaft auf die nächste Probe gestellt: Die Fahrradstellplätze sind doppelt verbucht. Mittlerweile haben sich zwei Radler der Fahrradorganisation im Fahrradabteil angenommen, quatschen über Radtouren, während sie anderen beim Ein- und Aussteigen und Ein- und Aussortieren der Räder helfen. Kostenloser Einsortierungsservice für Radfahrer quasi. Sie sind es auch, die die vier Carbonrennräder, die den Velothon Berlin vom Sonntag in den Laufrädern haben und hier mit Doppelreservierung einsteigen, vorsichtig zwischen den anderen Rädern einsortieren und die Schaffnerin beschwichtigen, die betont auf die Sicherheitsvorschriften hinweist. Meine Mitreisenden sind Fahrradabteiltechnisch bereits einiges gewohnt.

Zwischen Göttingen und Kassel stehen wir plötzlich auf freier Strecke – Stellwerkstörung. Weiter geht’s mit mittlerweile 45 Minuten Verspätung. Auf dem Weg zum Bordrestaurant treffe ich die beiden E-Biker wieder, die sich in unser Abteil verlaufen hatten und stelle erfreut fest, dass auf dieser Zugfahrt ausnahmsweise nicht in meinem, sondern in anderen Abteilen die Klimaanlage ausgefallen ist. So verbringe ich den Rest der Fahrt mit einem Kaffee im gut klimatisierten Abteil, lausche den Radtourerzählungen in den Reihen vor mir und steige um 19:00 Uhr mit 40 Minuten Verspätung am Gießener Bahnhof aus dem Zug. Mit Rückenwind und meinem großen Wanderrucksack auf dem Rücken düse ich über den Lahnradweg zurück nach Lahnau.
„Auf die Bahn ist kein Verlass“ wird der ein oder andere jetzt sicher denken – da nehme ich doch lieber das Auto. Aber mal ehrlich: Nach einem langen Feiertagwochenende wäre ein Stau auf der Autobahn in 40 Minuten sicherlich nicht abgehandelt gewesen; sofern es bei einem geblieben wäre.

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Das direkte Duell: Rad vs. Auto in der Stadt

Geschrieben am 17.05.2018 von Matthias Steinberger
Team: Praxis für Osteopathie: Ben Griell
Kommune: Gießen

Am Mittwoch (16.05.) steht ein Planungstermin im Verwaltungsgebäude des Landkreis Gießen's bevor. Der Landkreis befindet sich in einem Gewerbegebiet am Stadtrand: der s.g. Automeile am Riversplatz. Das Architekturbüro, in dem ich arbeite, befindet sich in der Innenstadt. Genauer: in der Liebigstraße Ecke Ludwigstraße. Der Routenplaner zeigt mir unterschiedliche Wege von 3-4 km Länge an. Teils neben und abseits des Straßenverkehrs. Ich entscheide mich ungeachtet der Streckenlänge für die grüne Variante, die mich zwischen den Hauptverkehrsadern durch Wohngebiete und Freiräume führt. Zusätzlich auf Wegen durch Waldabschnitte, die der Routenplaner nicht berücksichtigt, mir hingegen bekannt sind. So umfahre ich einen Anstieg über die Licher Straße, indem ich durch das Schiffenberger Tal rolle. Vorbei am Unigelände in den Schiffenberger Wald und auf der Zielgeraden ein kurzes Stück Licher Straße. Das erspart mir einige Schweißperlen.
Mein Chef fährt parallel von einem vorherigen Termin direkt zum Landkreis - mit dem Auto. Wir treffen uns vor dem Gebäude. Mein Fahrradhelm hängt, verbunden mit dem Schloss, am Fahrrad. Die Hosenbeine sind wieder herunter gekrempelt. Sprich, man sieht mir nicht an, dass ich mit dem Rad gefahren bin. Vor der Besprechung verschwinde ich schnell im WC um meine durch den Helm zerzausten Haare zu richten. Gemeinsam betreten wir das Besprechungszimmer. Dass wir beide auf unterschiedlichste Art angereist sind, bemerkt niemand.

Nach dem Termin fahren wir beide auf direktem Weg ins Büro. Mein Chef und ich vereinbaren auf dem Parkplatz ein Duell: wer ist als Erster im Büro? Fakt ist: wir beide können vor dem Eingang parken. Dadurch entfällt auch für ihn die Parkplatzsuche. Es geht um die reine Wegstrecke, die nach eigenem Ermessen gewählt wird. Am Nachmittag mit dem Auto über die Licher Straße und Ludwigstraße zu fahren, wird ihn sicherlich aufhalten. Ich hingegen kann auf Wegen eigens für Radfahrer und Fußgänger zwischen Wohnsiedlungen abkürzen. Ich habe versprochen nicht zu rasen, denn ich bin darauf bedacht ein Tempo vorzulegen, das einem durchschnittlichen Radfahrer entspricht. Nur so gelingt ein fairer Vergleich. Wir fahren los!
Chef steht zu Beginn auf Linksabbiegerspur an roter Ampel. Stadteinwärts darf ich zuvor den Radweg auf der linken Seite (Gegenseite) nutzen - und ziehe vorbei. Er kann mich erst auf Höhe der Vitos Kliniken überholen. Dort verlasse ich die Licher Straße und biege auf den Rad- und Fußweg zum Unigelände ab. Umfahre die Knotenpunkte unserer Stadt, die für meinen Chef unüberwindbar sind. Ausgerechnet jetzt passiert etwas, das ich beim Radfahren bislang immer so sehr lobte: ohne Blech und Glas vor Augen ist man „offener“ für seine Mitmenschen. Man erkennt und grüßt sich im direkten Blickkontakt. In meinem Fall ist es Jenny, eine Bekannte von mir. Sie fährt mir auf dem Rad entgegen und macht im Vorbeifahren erst hinter mir auf sich aufmerksam. Das musste sie auch, denn ich habe ihr nicht ins Gesicht geschaut und nur darauf geachtet ihr als entgegenkommende Radfahrerin Platz zu machen. In Gedanken saß ich im Auto meines Chef’s um zu überlegen, wo er wohl gerade steckt. Peinlich. Jenny ruft meinen Namen. Ich bremse und drehe zu ihr um. Einerseits sehe ich das Duell nun in Gefahr, aber freue mich auch sie nach längerer Zeit wieder zu sehen. Wir unterhalten uns und lachen über die Situation. Durch die Begegnung erfährt sie von meiner Teilnahme am Gießener Firmenlauf, der in knapp 3 Stunden startet. Sie ist ebenfalls am Start und wir verbleiben mit den Worten sich dort sicherlich über den Weg zu laufen.
Am Büro angekommen steht das Auto meines Chef’s bereits vor der Tür. Das war mir klar. Auf dem Weg nach oben überlege ich, wie lange das Gespräch mit Jenny wohl dauerte. 4-5 Minuten wahren das bestimmt. Nach Betreten des Büro’s stürme ich sofort das Chefzimmer und frage wie lange er schon sitzt. Tatsächlich ist er nur kurz vor mir eingetroffen. Vermutlich wäre ich vor ihm da gewesen. So bin ich kurz nach ihm angekommen, jedoch mit dem großen Plus einer freundlichen Begegnung, die man im Auto sitzend nicht erlebt.

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Kurzurlaub mit Bike: zu Besuch bei Freunden im Harz

Bild Geschrieben am 15.05.2018 von Matthias Steinberger
Team: Praxis für Osteopathie: Ben Griell
Kommune: Gießen

Die Arbeitswoche über Christi Himmelfahrt ist kurz. Montag bis Mittwoch. Keine beruflichen Termine ausserhalb des Büro’s. Dafür mit dem Rad viele Erledigungen kreuz und quer durch die Stadt organisiert. Den Freitag habe ich mir frei genommen um bereits am Feiertag zu meinem besten Freund Patrick nach Herzberg am Harz zu reisen. Im Programm stehen die Erkundung Harzer Sehenswürdigkeiten wie dem Brocken und unsere traditionelle Feier zum Eurovision Songcontest in großer Runde. Prinzipiell ein gewohnter Besuch, nur mit dem Unterschied, dass mich Patrick und seine Frau für Einkäufe und Ausflüge nicht im Auto mitnehmen dürfen. Vier Tage bei Freunden zu Besuch sein ohne den ganzen Tag im Haus oder Garten zu verbringen ist auch ohne Auto möglich.

10.05. - Anreise
Meine Reise beginnt mit Wanderrucksack und Mountainbike um 07:30 Uhr am Gießener Bahnhof. Ein Fahrradstellplatz im IC nach Göttingen ist reserviert. Der Zug rollt in Gießen ein. Die äussere Wagentür ins Fahrradabteil ist defekt. Schnell zur nächsten Tür, die von vielen Reisenden mit großen Koffern in Beschlag genommen wird. Mein Bike ist zum Glück ohne Radtaschen leicht und wendig. Durch die engen Gänge kämpfe ich mich, das Bike hochkant auf dem Hinterrad rollend, in das noch leere Fahrradabteil. Dort nehme ich Platz und packe mein Frühstück aus. Saft und Kaffee von zu Hause, umgefüllt in eine Glasflasche und Thermoskanne. Dazu eine bereits fertig angerührte Müslibox. Wäre ich mit einem Auto gefahren, hätte ich das Frühstück zu Hause aufnehmen und dafür früher aufstehen müssen. Ein großes Plus für das Bahnfahren. In Treysa und Kassel steigen weitere Radreisende zu mir in das Abteil. Wir führen interessante Gespräche über Radtouren und Ausrüstung. In Göttingen erfolgt ein Umstieg in die Regionalbahn nach Herzberg. Um 10:30 Uhr empfängt mich Patrick mit Bike und Teamtrikot am Bahnhof. Zu Hause begrüße ich seine Frau, lege meine Sachen ab und steige ebenfalls in mein altes Teamdress.
Per Bike zeigt mir Patrick den Scharzfels, Bismarkturm und Hausberg bei Lauterberg und letztlich den Hohen Knollen. Ein gewisses Alpengefühl kommt auf. Man gewinnt schnell an Höhe und befindet sich ebenso schnell wieder im Tal. Am Knollen hört man bereits das angekündigte Gewitter brummen. 5 Minuten bevor wir Herzberg erreichen ergießt sich ein kräftiger Schlagregen über uns. Am Ende stehen 50 km mit 1.118 Hm auf dem Tacho.
Den Rest des Abends verbringen wir auf dem Balkon und vor dem 2. Halbfinale des ESC’s.

11.05. - Die Brockentour
Der Tag beginnt trocken und freundlich. Wir brechen früh auf. Patrick’s Frau verabschiedet uns mit den Worten: ,,Wenn unterwegs etwas passiert kann ich euch aufsammeln. Äh… bzw. dann nur Patrick.“ In der Tat bin ich im Falle eines Defektes in den Tiefen des Harzes aufgeschmissen. Unterwegs fragen sich Patrick und ich, ob ich in einem Krankenwagen fahren darf? Ein Bergungshubschrauber hingegen steht nicht in der Verbotsliste. Doch soweit soll es nicht kommen.
Die Tour verläuft über Lonau hinauf in Richtung Hanskühnenburg nach Torfhaus. Asphaltierte Zuwege auf den Brocken sind mit dem Auto tabu. Die meisten Wanderer und Radfahrer starten ab Torfhaus über den Hexensteig hinauf. So wie wir. Den Brocken erklommen, gönnen wir uns eine Erbsensuppe mit Bockwurst. Das wärmt und stärkt für den Rückweg über den Wurmberg. Ihn erreichen wir über ein Teilstück des alten Grenzweges. Ein Stück Geschichte, das uns auf den Fahrrädern ordentlich durchrüttelt. Vom höchsten Berg Niedersachsen’s nehmen wir die Downhillstrecke des Bikeparks hinunter nach Braunlage. Nächste Station die Hahnenkleeklippen im Odertal - aber nur, weil wir uns verfahren haben. In Sankt Andreasberg quälen wir uns den Skihang hinauf um eine weitere Downhillstrecke genießen zu können. Die letzten Kilometer verlaufen entspannt auf Straßen via Silberhütte und Siebers nach Herzberg. 95 km mit insgesamt rund 2.078 Hm liegen hinter uns.
Ein Tag mit vielen Sehenswürdigkeiten und Premieren, denn ich war bislang noch nie so tief im Harz, geschweige auf dem Brocken unterwegs.

12.05. - Tag der Finale
Der Tag beginnt wieder sonnig. Wir frühstücken gemeinsam und gehen zu Fuß auf den Wochenmarkt – mir zu Liebe bleibt das Auto stehen. Patrick hatte am Vortag starke Sitzprobleme und schickte mich alleine los. Ich orientierte mich am Karstwanderweg und T4-Radweg, die teilweise parallel und durch Herzberg verlaufen. Stationen entlang des Wanderweges sind die Steinkirche bei Scharzfeld, Einhornhöhle und Scharzfels. Mit dem Bike sehr anspruchsvoll zu befahren. Ab Bad Lauterberg folge ich dem T4 durch das Harzvorland. 5 km vor Pöhlde weiter dem Verlauf des Karstwanderweges folgend bis Herzberg. Eine weitere Schleife über das Welfenschloss und Mühlenberg erneut nach Herzberg. Sie haben ihr Ziel erreicht. 50 km mit 869 Hm.
Während ich im Sattel unterwegs war, erledigten die beiden einige Einkäufe und Vorbereitungen für das ESC-Finale. In einer achtköpfigen Gruppe eröffneten wir den Abend mit einem Döner-Buffet. Ich langte ordentlich zu, denn es gilt den Tank nach drei anstrengenden Tagen wieder komplett aufzufüllen. Der Abend endet spät in der Nacht mit einem zufriedenen Ergebnis.

13.05. – Rückfahrt
Heute brummt mir zwar nicht der Kopf, aber Radfahren werde ich nur noch zum Bahnhof. Meine Tourentage sind vorbei. Sonntag ist Ruhetag. Die Rückfahrt im Zug erfolgt vollkommen unproblematisch. Kurz vor Gießen regnet und stürmt es stark. Ich ziehe im Fahrradabteil meine Regenhose und –jacke über. Der Rucksack wird durch seine integrierte Badehaube geschönt. Um 16:30 Uhr ist Gießen erreicht. Im Regen fahre ich nach Wieseck und bin dort nur oberflächig nass. Gute Kleidung ist das A und O. Wetter keine Ausrede um zu Hause zu bleiben.

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Vaddertach aufm Radweech - und das Chill-schaf schaut zu

Bild Geschrieben am 10.05.2018 von Kristina Jago
Team: Praxis für Osteopathie: Ben Griell
Kommune: Gießen

Eines vorweg: In Norddeutschland gelten ein paar Gesetze, die ein in Norddeutschland radelnder Radfahrer unbedingt kennen sollte.

1.) Alle Strecken führen geradeaus. Manchmal ändern sie die Richtung. Aber grundsätzlich geht es immer nur geradeaus.
2.) Den Deich hoch- und wieder herunterzufahren bedeutet, "Höhenmeter zu machen".
3.) Der Wind kommt immer von vorne. Egal, ob aus Norden, Osten, Süden oder Westen. Von vorne!
4.) "Moin" geht immer. Auch abends. Man grüßt sich. "Moin" ist so kurz, dass auch der Begegnungszeitraum zweier Radfahrer bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 35 km/h dafür ausreicht.
5.) Schafe sind ernstzunehmende Zeitgenossen. Wenn sie den Radweg kreuzen, lässt man sie in Ruhe die Seite wechseln.
6.) EIn durchgezogener Radweg auf der Karte bedeutet nicht, dass er durchweg befahrbar ist: "Schifffahrt hat Vorrang vor Landverkehr."

Unter diesen Gesichtspunkten habe ich den ersten Tag daheim für eine Radtour mit meinen Eltern genutzt. E-Bikes sind eine grandiose Erfindung, weil sie dafür sorgen, dass ich selbst bei Gegenwind mit ihnen durch die Gegend düsen kann. Ziel heute: Krautsand. Strand.

Gleich zu Beginn treffen wir auf ein Pärchen, das mit seiner Kutsche unterwegs ist. Während die beiden auf der Straße entlangfahren, klöne ich vom Radweg aus mit ihnen. Was sie am Kutschfahren lieben? Die Entschleunigung, ist doch klar! Wir schnacken bei 10-11 km/h noch ein bisschen über die Gegend, danach geht es flotter weiter.

Gefunden am Wegrand:
Eine Radlerhütte, eigentlich eine Bushaltestelle, gerade neu eingeweiht, mit davorstehendem Fahrradständer.
Viele Bänke hier haben eine Nummer, mit der man seinen genauen Standpunkt angeben kann, wenn es einem nicht gut geht oder anderweitig Hilfe benötigt wird.
Die Protestschilder gegen die A22, die für Autos und wider der Natur mitten durch unsere wunderschöne Wiesenlandschaft gebaut werden soll. Ohne Kommentar.
Das Chill-Schaf: Hoch oben am Deich, sich köstlich darüber amüsierend, dass der Elberadweg durch eine Hebebrücke kurz vor Wischhafen unterbrochen wird, die nur von 10:00 bis 12:00 und 17:00 bis 19:00 geöffnet ist - und ich um Punkt 12:15 Uhr dort ankam.

Von der Hebebrücke Wischhafens, die nur für Fußgänger und Radfahrer freigegeben ist (wäre sie für Autos, wäre sie sicher niemals nicht passierbar) blicke ich auf die Wischhafen-Glückstadt-Elbefähre. Die meisten kennen sie von Überfahrten in den Urlaub, auf dem Weg nach Dänemark. Endlose Autoschlangen stehen dort an jedem Wochenende. Als Radfahrer darf man bis ganz nach vorne durchfahren und als erstes auffahren.

Es ist Vaddertach. Auf den Wegen sind hunderte Menschen unterwegs. Radfahrer, Bollerwagen, Kinderwagen, Reiter, Besoffene, Nicht-Alkoholisierte, Hunde. Ohne Pöbeleien. Ja, es ist Feiertag. Sowas wie Sonntag. Wochenende. Was anderes als Alltag. Was ich trotzdem daraus lerne? Gießen braucht mehr Platz. Für Radfahrer. Für Fußgänger. Für alle ohne Motor. Und dieser Platz kann nur auf Kosten der Freiheiten für Autos geschaffen werden. Anders funktioniert es nicht.

Bei sturmartigem Gegenwind komme ich wieder zu Hause an. Dort warten nach 85,6 km meine Eltern, die bei km 25 eine Abkürzung eingeschlagen haben, mit selbstgebackenem Rhabarberkuchen auf mich.

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Mit Rad und Rucksack in der Bahn gen Norden

Bild Geschrieben am 10.05.2018 von Kristina Jago
Team: Praxis für Osteopathie: Ben Griell
Kommune: Gießen

Heute melde ich mich aus Norddeutschland, meiner Heimat. Hier werde ich das verlängerte Wochenende verbringen - zusammen mit meinem Fahrrad, denn von dem ÖPVN-Angebot Gießens träumen wir hier noch. Die Organisation im Vorhinein war (auch weil ich mich erst Montag Nacht spontan dazu entschieden habe) - naja, kein Selbstläufer. ;-)

Wer vier Tage wegfährt, Fahrradmontur, Wettkampfkleidung, alltagstaugliche Kleidungsstücke und einen Laptop braucht, dem reicht kein Cityrucksack - der Wanderrucksack muss her. Einen kleineren Rucksack für meine Tagestouren wollte ich aber zusätzlich mitnehmen.

Also bin ich Dienstag Morgen, bepackt mit meinem 35 Liter-Wanderrucksack mit dem Rad zur Arbeit gefahren, darin verstaut ein kleiner 5-Liter-Rucksack, in dem ich Portemonnaie und Co abends wieder nach Hause transportiert habe. Der Wanderrucksack durfte in der Praxis übernachten, in der ich arbeite.

Heute, Mittwoch Morgen, bin ich um 6:30 Uhr mit meinem 16-Liter-Rucksack auf dem Lahnradweg unterwegs, darin alles, was ich für die fünfstündige Zugfahrt Richtung Hamburg brauche. Gegen 12:30 Uhr fahre ich mit dem Wanderrucksack auf dem Rücken und dem kleineren Rucksack vorm Bauch auf dem Rad zum Bahnhof. Eine kleine Herausforderung, zugegeben. Der Rucksack stört beim Pedalieren - hätte ich ihn im großen Rucksack verstaut, wäre der jedoch so hoch gewesen, dass er von hinten/oben meine Fahrradhelm nach vorne ins Gesicht gedrückt hätte. Auf einem Hollandrand, aufrechter sitzend, sicher gut möglich - nicht aber auf einem MTB in sportlicher Sitzposition.

Die Treppen am Bahnhof nehme ich, auch mit Fahrrad in der Hand, zu Fuß. Dass das mit einem E-Bike kaum möglich ist, ist mir bewusst. Kurz überlege ich, den Aufzug zum ersten Mal auszuprobieren, einfach um das mal gemacht zu haben. Aber das ist mir zu umständlich. Der IC nach Hamburg-Harburg ist pünktlich, das Fahrradabteil im hinteren Wagen. Das Rad in den Wagen zu heben ist für mich Routine, für andere am Bahnsteig eine echte Herausforderung. Zum Glück hilft man sich unter Radfahrern und so sind die Räder schnell verstaut. Meine reservierte Stellplatznummer 143 ist frei, leider ein Platz zum Aufhängen meines Rads. Auch das: Nicht ganz einfach, mit Unterstützung des freundlichen Mitfahrers aber kein Problem.

Mit ins Fahrradabteil steigt eine junge Frau mit Hund, der die Fahrt in einem mobilen Hundezelt verbringt, das sie binnen weniger Sekunden auf- und abbauen und zu einer 40 x 40 cm kleinen Tasche zusammenklappen kann. Faszinierend. Als letztes steigt eine Rollstuhlfahrerin mit zwei Begleitern ein. Sie kann auf Knien krabbeln, aber nicht alleine stehen. Das Radabteil ist für sie nicht sicher. Und so stapfen wir als fünfköpfige Kolonne, mit ihrem faltbaren Rollstuhl, zwei Rollkoffern, einer Reisetasche und ihren beiden Begleitern durch das nächste Abteil und verscheuchen konzentriert arbeitende Geschäftsmänner von den offensichtlich bequemen Plätzen für körperlich eingeschränkte Personen.

Ab Hannover ist das Radabteil komplett belegt, gut sortiert. Jeder Radbesitzer achtet penibel darauf, den richtigen Platz zu belegen: E-Bikes, MTBs, ein Rennrad, Klappräder mit Renn- und MTB-Reifen. Die Klimaanlage fällt aus. 30°C im Schatten. Aber wir sind pünktlich. In Hamburg-Harburg steige ich um, schaffe es von Gleis 1 auf Gleis 6 in 2 Minuten, trotz der endlosen Treppen, die sicherlich jeden hier am Bahnhof schonmal den Anschluss gekostet haben.

Auf Gleis 6 husche ich in den Metronom Richtung Cuxhaven. Hier im Fahrradabteil herrscht alles andere als Ordnung - und es gibt deutlich mehr Fahrräder als Stellplätze. Vor einigen Stellplätzen sitzen Pendler mit ihren Laptops. So bleibe ich mit meinem Rad im Eingangsbereich stehen, einen besseren Platz finde ich nicht, warte darauf, dass mich einer der sich vorbeiquetschenden Menschen bei mir beschwert - aber niemand sagt etwas. Jemand entschuldigt sich, weil er mit seiner Tasche meinen Lenker anrempelt. Hier in Norddeutschland sind die Menschen in mancher Hinsicht etwas entspannter als im Rhein-Main-Gebiet. So fährt der Zug, mit zwischen Fahrrädern auf dem Fußboden sitzenden Personen, gen Heimat.

16 km vor meinem Heimatort, in Stade, steige ich aus dem Zug, springe aufs Rad und gönne mir den Rest des Weges an der frischen Luft. Von Stadtstress ist hier nichts zu merken. Ich bin zurück auf dem Land. Den breiten Radweg habe ich komplett für mich alleine. Bei strahlendem Sonnenschein komme ich überpünktlich bei meinen Eltern an. Mit dem Auto hätte ich das heute, zur Feierabendzeit, vor einem Feiertag mit Brückentag, sicherlich nicht geschafft.

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Arbeitsweg per Rad: durch die Natur in die Innenstadt

Bild Geschrieben am 08.05.2018 von Matthias Steinberger
Team: Praxis für Osteopathie: Ben Griell
Kommune: Gießen

Mit dem Fahrrad darf ich Wege nutzen, die mit dem Auto niemals befahrbar wären. So auch das Wegenetz durch unseren Stadtpark (Schwanenteich) entlang der Wieseck. Wenn morgens früh die Sonne auf den Teich und durch die Baumalleen strahlt, beginnt der Tag wie im Urlaub. Auf der einen Seite der Teich, auf der anderen der kleine Fluss Wieseck, dessen Verlauf mich geradewegs in die Innenstadt führt. Am Wegesrand: Haubentaucher, Teichhühner, Schwäne, Fischreiher und sogar ein Storchennest, das leider vor kurzem abgestürzt ist.
Durch das Glas und Blech eines Autos würde ich das alles nicht mitbekommen. Während mein Kollege heute wieder 10 min lang mit dem Auto das Büro umkreiste, um einen Parkplatz zu finden, saß ich bereits am Schreibtisch mit Blick auf den Fahrradständer vor dem Haupteingang. Dort stehe ich!

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Entspannte Ruhe am Dünsberg und reges Treiben auf dem Lahnradweg

Bild Geschrieben am 07.05.2018 von Kristina Jago
Team: Praxis für Osteopathie: Ben Griell
Kommune: Gießen

Heute morgen bin ich vom Bett quasi direkt aufs MTB gefallen und habe den Tag mit einer zweistündigen MTB-Tour hinauf zum Dünsberg, gemeinsam mit Ben, dem Namensgeber meines STADTRADEL-Teams begonnen. Auf dem Hauptweg und rundherum auf den Trails ist es unter der Woche früh morgens wunderbar ruhig - der perfekte Ort zum Kraft tanken und Entspannen.

Auf dem Weg nach Gießen entlang des Lahntalradwegs hingegen herrschte reges Radfahren, Inlineskaten, Skateboarden und Joggen. Bewegungsfreude pur, könnte man sagen. Manchem scheint es bei dem Wetter fast schon ein bisschen zu warm zu sein - aber der frische Gegenwind sorgt derzeit für angenehme Abkühlung ;-) Zurück nach Hause ging es dafür mit verdientem Rückenwind - vorbei an mehreren Grüppchen, die im Kreis, angeregt klönend, um ihren Grill herumsaßen. Wie Urlaub. Fast.

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Kein Auto = Kein Eis

Geschrieben am 06.05.2018 von Kristina Jago
Team: Praxis für Osteopathie: Ben Griell
Kommune: Gießen

Gestern Abend hatte sich eine Freundin angekündigt. Ziemlich spontan. Gemüselasagne als Vorspeise und Dinkelvollkornwaffeln zum Nachtisch standen schon in den Startlöchern. Natürlich gehören zu "richtigen" Waffeln Vanilleeis und Kirschen. Vor allem bei gefühlten 30°C Außentemperatur.

"Eis und Kirschen bringe ich auf dem Weg mit", sagt Susi. Susi taucht jedoch nicht auf, ruft aber irgendwann an: Liegengeblieben. Vorm Supermarkt. Mit Vanilleeis im Auto. (Wäre mit dem Rad natürlich nie passiert ;-)) Aber was jetzt? Waffeln backen, rein in den Rucksack, rauf aufs Rad, Parkplatzpicknick? Bis ich da bin, ist der ADAC-Mitarbeiter längst da und hat Susis Gefährt zum Weiterfahren überredet.

Der Abend endet damit, dass meine Mitbewohnerin Caro mit gebackenen Waffeln, Tellern und Ess-Utensilien per Auto zu Hilfe eilt, um gemeinsam mit Susi (und dem ADAC-Mann) auf dem Supermarktparkplatz das Vanilleeis zu retten - während ich mich auf dem Balkon mit Waffeln, bestrichen mit Marmelade, zufrieden gebe.

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Rennradradelsonnensonntag :-)

Bild Geschrieben am 06.05.2018 von Kristina Jago
Team: Praxis für Osteopathie: Ben Griell
Kommune: Gießen

Ich habe mir vorgenommen, in den drei STADTRADEL-Wochen soviel Zeit wie möglich gemeinsam mit anderen Bewegungsliebhabern und -muffeln auf dem Fahrrad zu verbringen. Heute war ich mit zwei Freunden aus der Bewegungsjunkie-Ecke auf dem Rennrad unterwegs. Auf einer 127-km-Runde, powered by Alexandra, bin ich mit ihr und Alex von Großen-Linden über Volpertshausen, Niederwetz und andere bildhübsche Dörfer nach Weilburg gestrampelt. Von dort ging es über Philippstein und Bonbaden zurück nach Volpertshausen, von da aus in unsere Heimatorte Gießen und Wetzlar. Gemütlicher, sonniger und bewegter kann man sich nicht unterhalten. Und dazu gab es die "Heute-hat-mich-kein-genervter-Autofahrer-angehupt"-Premiere. Chapeau!

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Wer braucht schon ein Auto für sonnige Sonntags-Erlebnisse?

Bild Geschrieben am 06.05.2018 von Matthias Steinberger
Team: Praxis für Osteopathie: Ben Griell
Kommune: Gießen

Radfahren, neue Landschaften entdecken, Kultur, Kaffee & Kuchen, Sonnenbaden, Insektenbestimmung, Familiengrillen... und das alles innerhalb einer Radtour.

Der Tag beginnt mit einem kräftigen Frühstück auf dem sonnigen Balkon. Der Motor braucht Kraftstoff, denn es liegt eine noch unbekannte Strecke auf den weit entfernten Glauberg vor mir. Dafür wähle ich heute das Straßennetz und meine Rennmaschine. Bewaffnet mit einer Karte und 2 Flaschen Iso verlasse ich den Kreis Gießen und durchquere die Wetterau. Auf dem Glauberg angekommen, erstrahlt vor mir die Keltenwelt am blauen Himmel zwischen einer Frühlingspracht der Natur. 60 km stehen auf dem Tacho. Ich blicke mit Kaffee und Kuchen auf den Fundort des Keltenfürstes. Ein archäologisches Schmankerl!
Weiter im Kurs auf den Vulkan-Radweg gen Westen / Frankfurt. Ich kann die vielen Insekten auf meinem Körper, in den Ohren, im Helm, im Trikot und an meiner Brille kaum noch zählen und zuordnen. Da waren Brummer dabei... da bin ich mir nicht sicher, ob die tatsächlich bekannt sind?
Auf Höhe Bad Vilbel biege ich ab gen Norden nach Niddatal. Dort besuche ich spontan meinen Vater, der sich über den Besuch sehr freute. Als hätte ich es gewusst: der Grill ist noch warm und drei Würstl sind übrig. Her damit! Der Tank ist fast wieder leer. Nach 100 km verständlich.
Jetzt muss ich aber wirklich weiter. Meine Arme und Oberschenkel beginnen in einem kräftigen rot zu leuchten. In Gießen angekommen, Brötchen an der Tankstelle besorgt und im Lenkeraufsatz provisorisch verstaut. Tachostand: 152 km.

Eine Strecke mit intensiven Erlebnissen, die auf einer Autofahrt unmöglich kombinierbar gewesen wären. Alleine wegen der dauerhaften Frischluftzufuhr und des durchgängigen Sonnenbades. Die Farbe meiner Arme und Beine gehen hoffentlich bald in ein sexy Braun über.

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Heute der Start in Gießen - jetzt geht's endlich los!

Bild Geschrieben am 05.05.2018 von Matthias Steinberger
Team: Praxis für Osteopathie: Ben Griell
Kommune: Gießen

Heute ist Gießen in das Stadtradeln gestartet. In der Innenstadt gab es eine Eröffnungsfeier mit Informationsständen und "Beans on Bike", bei denen ich einen sehr leckeren Kaffee und nette Gespräche aufnehmen konnte.
Um 11:30 Uhr eröffnete unsere Oberbürgermeisterin, Frau Grabe-Bolz, das Stadtradeln. Das Mikrofon wurde weiter gereicht an unsere Organisatorin, Frau Bürckstümmer, und letztlich an uns zwei Stadtradeln-Stars.

Das Wetter war sooo schön, dass kaum jemand in der Stadt unterwegs war. Dementsprechend klein fiel das Publikum aus. Das war etwas schade, aber auch verständlich. Ich wäre auch lieber am frühen Morgen auf eine lange Radtour gestartet. Die Beine kribbelten geradezu nach Bewegung. ABER, das eine schließt das andere nicht aus: so bin ich am späten Nachmittag auf mein Mountainbike gestiegen und in die Wälder verschwunden. Nach 56 Kilometern Sehenswürdigkeiten und weitläufiger Landschaft wieder zurück in Gießen.

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Mein STADTRADELN-Radel-Plan oder: Wer sind eigentlich diese "verrückten" Alltagsradler?

Bild Geschrieben am 01.05.2018 von Kristina Jago
Team: Praxis für Osteopathie: Ben Griell
Kommune: Gießen

Nach dreimaliger Bewerbung hat es in diesem Jahr endlich geklappt: Ich bin STADTRADELN-STAR. Warum mir das so wichtig ist? Weil Radfahren (für mich) eine Art der Lebensqualität bedeutet, die jeder unbedingt mal erlebt haben sollte. Mein Arbeitsweg mit dem Rad ist meine Auszeit. 13,9 km Zeit, nur für mich. Einmal hin, einmal zurück. Ohne Handy, ohne Verpflichtungen. Sonnenauf- und -untergänge in Full-HD. Vogelkonzerte am Morgen zum Wachwerden in Dolby-Surround-Qualität. Als i-Tüpfelchen das Lächeln von entgegenkommenden Lahntalradwegradlern. Wer das noch nie erlebt hat, sollte das unbedingt selbst einmal ausprobieren - auch wenn es anfangs utopisch erscheint, um 6:30 Uhr oder früher aufs Rad anstatt ins Auto zu steigen.

Was möchte ich mit meinem dreiwöchigen Dasein als STADTRADEL-STAR anfangen? Ich möchte primär die Radler feiern, die bis zu zwölf Monate im Jahr radeln - und dadurch denjenigen, die daran zweifeln, dass das funktioniert, zeigen, dass es funktioniert. Deswegen habe ich mir vorgenommen, jeden Tag eine radelnde Person auf meinem Arbeitsweg anzusprechen und ihr ein Gesicht in der Öffentlichkeit zu geben, sofern sie das denn möchte. Wer das hier liest und mich auf dem Rad erkennt, kann mich auch gerne von sich aus anhalten ;-) Ich möchte die drei Wochen nicht auf meine eigenen Erfahrungen beschränken, sondern möglichst viele Eindrücke von möglichst vielen Alltagsradlern weitergeben: was sie am Radfahren lieben, warum sie radeln, was sie als Radfahrer an Gießen schätzen und was aus ihrer Sicht verbesserungswürdig ist. So der Plan. Wieviele Radler bereit sind, ein paar Meter mit mir zu radeln, wird sich zeigen :-)

Zudem möchte ich für Fragen zur Verfügung stehen, die sich um Ausrüstung, "allein als Frau um 2:00 Uhr nachts auf dem Rad unterwegs" und sonstige "Gründe" drehen, die euch vom (regelmäßigen) Radeln abhalten. Ihr erreicht mich unter kristina.jago at yahoo.de.

Als Vorbereitung auf meine drei STADTRADELN-Wochen habe ich am Wochenende schonmal "Mit-Rad-und-Zug-zum-Laufwettkampf" ausprobiert. Im Sprühregen mit dem Rad zum Bahnhof, mit der Bahn zum Zielort, mit dem Rad weiter zum Wettkampf, 10 km Laufen bei mehr als Sprühregen, mit dem Rad zurück zur Bahn, in strahlendem Sonnenschein vom Bahnhof mit dem Rad mit Zwischenhalt beim Reitturnier in Waldgirmes nach Hause. Funktioniert. ;-)

In diesem Sinne: Holt eure Fahrräder raus! Jeder Meter zählt. :-)

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